Für CDU-Generalsekretär Peter Tauber ist es mal wieder kein guter Abend. Schon zum dritten Mal in diesem Jahr muss er eine herbe Niederlage seiner Partei bei einer Landtagswahl verkünden. "Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt. Wir sind nur noch drittstärkste Kraft", sagt der CDU-Generalsekretär, als er am Sonntag gegen 18:30 Uhr in der Parteizentrale in Berlin ans Mikrofon tritt. "Bitter", nennt er das Ergebnis.

Das allerdings ist eine noch recht harmlose Umschreibung für die historische Niederlage, die die CDU einstecken muss. Nicht nur, dass die Partei ihr Ergebnis von 2011, das bereits das schlechteste in der Landesgeschichte war, nochmals um drei Prozentpunkte unterboten hat. Noch schmerzhafter dürfte sein, dass es ausgerechnet die rechtspopulistische AfD ist, die die Christdemokraten von Platz zwei verdrängt hat. 

Zusätzlich aufgeladen wird das Ergebnis noch dadurch, dass Mecklenburg-Vorpommern schließlich so etwas wie die politische Heimat von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, die hier ihren Bundestagswahlkreis hat. Und dass es wohl im Wesentlichen ihre Flüchtlingspolitik war, für die die CDU hier abgestraft wurde. Denn diese hatte den Wahlkampf wie kein anderes Thema überlagert. Das haben Umfragen vor der Wahl belegt. Auch der unterlegene CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier macht das am Wahlabend nochmals deutlich: "Es gab nur noch ein Thema, und das hieß Flüchtlingspolitik", sagt er in Schwerin.

Anders als nach den Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im März versucht Tauber diesmal gar nicht erst, die Schuld an dem Debakel wenigstens teilweise auf die Landespartei in Mecklenburg-Vorpommern abzuwälzen. Stattdessen bedauert er die CDU-Politiker vor Ort, die einen sehr engagierten Wahlkampf geführt hätten, aber mit ihren Erfolgen in der Landespolitik einfach nichts hätten ausrichten können gegen den Wunsch, Unmut und Protest gegen Merkels liberale Flüchtlingspolitik zum Ausdruck zu bringen. Da ist es auch nur ein kleiner Trost für die CDU, dass sie gute Chancen hat, als Juniorpartner der SPD weiterzuregieren.

Im Bund droht ihr eine erneute Debatte über einen politischen Kurswechsel. Die Forderung aus Teilen der Partei, den rechten Rand wieder stärker zu besetzen, könnte nun mit neuer Vehemenz gestellt werden.

Einfluss auf die K-Frage?

Tauber versucht, da schon mal vorzubauen. Man habe aus der Flüchtlingskrise mit zahlreichen Asylrechtsverschärfungen und einem Integrationsgesetz schließlich schon vielfältige politische Konsequenzen gezogen, betont er. Diese Entscheidungen müssten aber erst noch wirken. Und dann wiederholt er, was die Kanzlerin bereits in der vergangenen Woche vor der Fraktion gesagt hat: Dass Deutschland eine Million Flüchtlinge aufnimmt, wie 2015 geschehen, werde eine Ausnahme bleiben: "Das wird sich nicht wiederholen."

Die Debatte darüber, ob das Wahlergebnis Einfluss auf eine weitere Kanzlerkandidatur Merkels im kommenden Jahr haben könnte, versucht der CDU-Generalsekretär mit einem einzigen Satz abzuwürgen. "Das sehe ich nicht", sagt er. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer, der an diesem Abend als einziges weiteres prominentes Parteimitglied in die Parteizentrale kommen ist, stellt sich offensiv hinter Merkel. "Ich wünsche mir, dass sie wieder antritt", sagte er. Und weist darauf hin, dass die politische Aussagekraft einer Wahl in Mecklenburg-Vorpommern mit seinen gerade mal 1,3 Millionen Wahlberechtigten und angesichts der traditionell weniger ausgeprägten Parteienbindung im Osten doch eher gering sei.

Ob das die Mehrheit in der Partei genauso sieht, könnte sich bereits am Montag zeigen, wenn der Vorstand bei einer Telefonkonferenz das Ergebnis der Wahl diskutieren will. Merkel selbst wird es dagegen zunächst erspart bleiben, den Wahlausgang in Berlin wie sonst üblich auf einer Pressekonferenz zu kommentieren. Sie ist derzeit beim G-20-Treffen in China.

CSU sieht sich bestätigt

Noch offen ist auch, welche Konsequenzen die CSU aus dem Wahlergebnis zieht. Seine Partei fühle sich in ihrem Kurs bestätigt, sagt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Sonntagabend und bringt erneut die Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge ins Spiel. Andererseits dürfte auch den Bayern klar sein, dass eine weitere Neuauflage des alten Streits der Union insgesamt eher schaden könnte.

In der SPD dagegen ist die Aussicht auf eine Fortsetzung des Zerwürfnisses zwischen den konservativen Schwesterparteien vor allem ein Anlass zur Freude. "Eine schwere persönliche Niederlage für Angela Merkel", liest jedenfalls SPD-Vize Ralf Stegner aus dem Wahlergebnis. "Führungslosigkeit hat seinen Preis", sagt er – nicht ohne seine gute Laune zu verstecken. "Wer einen Wahlkampf mit Burka-Verbot und rechten Ressentiments macht, kann nur verlieren."

Eine geschwächte Union, das ist etwas, was dem Koalitionspartner SPD durchaus gefällt. Jahrelang hatten die Genossen über das gute Image der "Teflon-Kanzlerin" geklagt, an der einfach jedes Problem abzuprallen schien. Das hat sich nun geändert – und genau in einem Jahr wird ein neuer Bundestag gewählt.