Für die Führung der Unions-Bundestagsfraktion ist der umstrittene Tweet, in dem die sächsische Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla einen Begriff aus der Nazi-Propaganda verwendete, vorerst abgeschlossen. Es habe ein klärendes Gespräch zwischen dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion, Michael Grosse-Brömer, und Kudla gegeben, sagte ein Fraktionssprecher. Darin habe Kudla erklärt, dass ihr Löschen zweier umstrittener Tweets eine "entschuldigende Wirkung" haben solle.

Kudla hatte auf Twitter geschrieben: "BK #Merkel streitet es ab, #Tauber träumt. Die #Umvolkung #Deutschlands hat längst begonnen. Handlungsbedarf besteht!" Im Nationalsozialismus wurde mit "Umvolkung" die sogenannte "Germanisierung" deutschfreundlicher Bevölkerungsgruppen in eroberten Gebieten Osteuropas gemeint. Den Begriff benutzen heute Rechtsextremisten, um die Migrationspolitik zu kritisieren.

Laut Unionsfraktion hob Grosse-Brömer in dem Gespräch noch einmal hervor, dass vor allem der Tweet "in Sprache und Inhalt völlig inakzeptabel" sei. An dem Gespräch habe auch der Vorsitzende der sächsischen Landesgruppe, Michael Kretschmer, teilgenommen.

Es ist nicht der erste Ausfall von Kudla auf Twitter: Den türkischen Regierungskritiker Can Dündar hatte sie "Cansel Dünnschiss" genannt. Auch diesen Tweet löschte sie inzwischen. 

Kreisverband gegen Kudla

Kudla war für ihre Äußerungen scharf kritisiert worden. Auch der CDU-Kreisverband Leipzig hat offenbar genug von der Frau, die zweimal als Direktkandidatin in den Bundestag kam. "So geht es nicht mehr", teilte die Leipziger CDU mit. Sie fürchtet, dass "das Ansehen Leipzigs Schaden nimmt". Ob Kudla erneut als Bundestagsdirektkandidatin nominiert wird, ist fraglich. Zwei Leipziger Stadträte wollen ihr den Posten streitig machen. Entschieden wird das auf einem Kreisparteitag am 22. Oktober. Kudla reagierte mit einem "Leipzig I ist mein Wahlkreis" auf die Gegenkandidaten. Und bekräftigte bei Twitter ihre Absicht, 2017 wieder antreten zu wollen. 

Kudla bestreitet jegliche Nähe zur AfD. "Ich bin mit Leib und Seele CDU-Mitglied und Bundestagsabgeordnete für diese Partei", sagte sie Mitte September der Leipziger Volkszeitung (LVZ). Die gebürtige Münchnerin sitzt seit 2009 für den Wahlkreis Leipzig I im Bundestag. Kurz nach der Wende zog sie nach Ostdeutschland.