Frank Nolden möchte etwas klarstellen: "Bei diesem Fest geht es um einen fröhlichen Anlass", sagt er. "Für den Rest ist gut vorgesorgt." Nolden organisiert für das Land Sachsen die Feier zum Tag der Deutschen Einheit. Er möchte, dass die Feier selbst im Vordergrund steht, nicht dieser "Rest". Mit Rest meint er die Sicherheit, über die nun mehr gesprochen wird als über alles andere.

Doch so fröhlich der Anlass auch sein mag, die Behörden und die Bevölkerung sind angespannt. Just zum Tag der Deutschen Einheit spaltet sich Pegida, die beiden Teile treten mit konkurrierenden Demonstrationen an. Dazu kommen diverse Demo-Ankündigungen linker Gruppen und die latente Bedrohung durch islamistischen Terror. Die Anschläge auf eine Moschee und ein Tagungshotel am Montagabend sowie der Fund einer Sprengsatzattrappe am Donnerstag haben die Lage zusätzlich verschärft und Dresden wieder einmal negativ in die Schlagzeilen gebracht. Das sei nicht gut, nicht für Sachsen und nicht für Dresden, sagt Nolden. "Es produziert ein Bild von der Stadt, das ich so nicht wahrnehme."

Also will Nolden dieses Bild korrigieren. Zwei Dutzend Journalisten führt er über das Gelände der Festmeile. Vom Hauptbahnhof über den Altmarkt bis zur Elbe wachsen Buden, Pavillons und Bühnen in die Höhe. Von Samstag bis Montag sollen Bürger die Einheit feiern können – mit Musik, Kultur und Darbietungen.

Das Bundesland will sich von seiner besten Seite zeigen. Im Zelt des Bundestags können Besucher eine Parlamentsdebatte nachspielen und über fiktive Gesetzesvorlagen abstimmen. Von der Bundesregierung haben sich Minister angekündigt. 400 Aussteller sind dabei sowie 4.000 Mitwirkende vor und hinter den Kulissen.

Zu viel der Sicherheit?

Aber allen Beschwörungen zum Trotz kreisen die Fragen der Journalisten immer wieder um die Sicherheit. 1.400 Betonelemente rund um die Festmeile sollen Anschläge wie in Nizza vereiteln. Es wird Taschenkontrollen geben, auch die Einlasskontrollen werden verschärft. Die Mitarbeiter im Zelt der Bundesregierung auf dem Altmarkt sind noch einmal geschult worden, um aggressiven Besuchern souverän begegnen zu können. Lassen die sich nicht in die Schranken weisen, helfen Securitykräfte – und zwar mehr als im Vorjahr.

Der Aufbau der Zelte auf dem Markt ist im Gange, weite Teile der Altstadt sind für den Verkehr schon abgeriegelt. "Wahnsinn", kommentiert ein Passant das Treiben. Ob er auch am Wochenende feiern kommt? "Auf keinen Fall", sagt er entschieden. "Mit Kindern ist das viel zu gefährlich." Der Aufwand für die Sicherheit, die Betonelemente etwa, verstärkten bei ihm das Gefühl von Bedrohung.

Eine Einschätzung, die Holger Zastrow teilt. "Seit Wochen wird in der Stadt nur noch über die Sicherheit geredet, nicht über das, was das Fest bietet", sagt der FDP-Fraktionschef im Stadtrat. "Und das war schon vor den beiden Bombenanschlägen so." So erzeuge man ein Gefühl der Unsicherheit. "Man nimmt den Leuten damit die Lust an dem Fest."