Vor dem heutigen Koalitionstreffen streiten Unionspolitiker weiter über die Einführung einer Obergrenze für Flüchtlinge. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sprach sich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) erneut für eine Obergrenze von 200.000 Asylbewerbern im Jahr aus. "Wenn bei einer solchen Obergrenze dann der 200.001. Flüchtling aus einem sicheren Drittstaat kommt, dann hat er keinen Anspruch, aufgenommen zu werden", sagte Herrmann.

Das decke sich auch mit der Rechtslage der Verfassung. "Wer aus einem sicheren Drittstaat kommt, hat in Deutschland keinen Anspruch auf Asyl. Dieser Grundsatz wird auch vom EU-Recht nicht aufgehoben", sagte er. Er begründete die Begrenzung auf 200.000 Flüchtlinge mit Erfahrungen früherer Jahre. "Wenn wir uns einig sind, dass wir nicht noch einmal eine Million Flüchtlinge wie im letzten Jahr aufnehmen können, dann ergibt sich daraus zwingend die Frage, wie viele es denn sein können", so Herrmann. 

CDU-Generalsekretär Peter Tauber lehnte eine weitere Diskussion über Obergrenzen für Asylbewerber dagegen ab. "Wenn jemand in Deutschland einen Asylantrag stellt, dann können wir das nicht von vornherein mit einem Verweis auf eine Obergrenze ablehnen", sagte Tauber der FAS. "Dieses Signal wollen wir nicht aussenden – weil wir unser Grundgesetz ernst nehmen." Die CDU habe sich auf dem letzten Parteitag klar dagegen ausgesprochen. "Es wäre für den gemeinsamen Erfolg der Union besser, wenn wir rückwärts gewandte Debatten hinter uns ließen", sagte Tauber. Die Union sollte den Eindruck vermeiden, dass CDU und CSU völlig gegensätzliche Vorstellungen hätten, sagte Tauber der Welt am Sonntag. "Die CSU geht in einigen Punkten vielleicht weiter als wir – aber wir gehen in die gleiche Richtung."

Die Spitzen der großen Koalition beraten vor dem Hintergrund des Streits über die Flüchtlingspolitik erstmals nach der Sommerpause über zentrale Projekte der nächsten Monate. Kanzlerin Merkel empfängt ihren Kritiker Horst Seehofer gegen Mittag zu einem Vorgespräch. Der CSU-Chef fordert schon lange eine Obergrenze für den Flüchtlingszuzug. Seehofer sagte in der Bild am Sonntag: "Die Union kommt aus dem Verlierermodus nur heraus, wenn wir eine klare Antwort geben, wie wir die Zuwanderung begrenzen wollen." Nach einer CSU-Vorstandsklausur im oberpfälzischen Schwarzfeld hatte er am Samstag die Grenze erneut auf 200.000 beziffert.