Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich weiterhin für das Freihandelsabkommen TTIP einsetzen. "Ich bin dafür, dass wir das Ende der Verhandlungen abwarten und dann eine Bewertung vornehmen", sagte sie der Funke Mediengruppe. Merkel verwies auf die hohe Arbeitslosigkeit in vielen EU-Staaten. "Daher sollten wir alles, was Arbeitsplätze schaffen kann, unterstützen. Das Freihandelsabkommen gehört dazu."

Sie habe beim G20-Gipfel im chinesischen Hangzhou auch US-Präsident Barack Obama zugesichert, dass sie weiterhin für das Abkommen einstehe, sagte Merkel weiter. Zuletzt waren Regierungsvertreter aus Frankreich und Österreich von TTIP abgerückt.

Mit ihrem Werben für TTIP grenzt sich Merkel auch von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ab. Der SPD-Chef hatte die Verhandlungen kürzlich für "de facto gescheitert" erklärt und den USA dafür die Schuld gegeben.

Gabriel setzt sich allerdings weiterhin für das Freihandelsabkommen Ceta zwischen der EU und Kanada ein. Die SPD will am 19. September auf einem Konvent entscheiden, ob sie Ceta mitträgt. Ceta gilt als Blaupause für TTIP, in der SPD ist es umstritten.

Rückendeckung erhält Gabriel von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ceta werde Wachstum, Handel und Investitionen fördern sowie Arbeitsplätze schaffen, zugleich aber den Kulturbereich, die Sozialstandards, den Arbeitnehmer- und Umweltschutz in Europa schützen, schreibt Steinmeier in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau. "Auch die Handlungsspielräume der nationalen Parlamente bleiben gewahrt, auf deren Regulierungshoheit wird explizit verwiesen."

Gabriel braucht die Zustimmung der SPD-Delegierten auf dem Parteikonvent als Mandat für den kurz darauf anstehenden EU-Handelsministerrat. Teile der SPD  haben sich jedoch gegen Ceta positioniert, darunter die Landesverbände Bayern und Bremen. In Berlin werden am 17. September Hunderttausende zu einer Demonstration gegen das Abkommen erwartet.