Aus der CSU kommt nach dem Wahldebakel der CDU bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern scharfe Kritik am Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Union stecke in einer "höchst bedrohlichen" Lage, sagte Horst Seehofer der Süddeutschen Zeitung. Seine "mehrfache Aufforderung zur Kurskorrektur" in der Flüchtlingspolitik sei nicht aufgenommen worden, das aktuelle Wahlergebnis eine Folge davon. Der CSU-Chef forderte eine inhaltlich klare Orientierung: "Steuern, innere Sicherheit, Rente, Zuwanderung – spätestens September, Oktober muss eine Klärung her."

Bei der Landtagswahl am Sonntag war die CDU nur auf 19 Prozent gekommen und damit erstmals hinter die AfD zurückgefallen. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sprach sich für eine ehrliche und umfassende Analyse der Wahlniederlage aus. "Es geht darum zu zeigen: Wir haben verstanden", sagte Hasselfeldt der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Flüchtlingspolitik sei ein großes Thema gewesen, "aber auch Ventil für viele andere diffuse Ängste".

"Aus einem 'Wir schaffen das' sollte eher ein 'Wir haben verstanden und wir ändern das' werden", sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) in den ARD-Tagesthemen. "Wir brauchen eine Obergrenze (für Flüchtlinge). Wir brauchen eine wirksame Kontrolle, wir müssen endlich wissen, wer sich überhaupt in Deutschland im Land aufhält."

Stephan Mayer (CSU), innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte der Passauer Neuen Presse: "Niemand erwartet, dass die Bundeskanzlerin behauptet, dass wir es nicht schaffen würden, aber es reicht nicht, nur zu sagen, dass sich die massenhafte Zuwanderung des Jahres 2015 nicht wiederholen darf."

Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, forderte von Merkel, Konsequenzen aus der verlorenen Landtagswahl zu ziehen. "Wir brauchen in der Flüchtlingspolitik eine klare Sprache und ein unmissverständliches Signal der Bundesregierung, dass Multikulti ein Auslaufmodell ist", sagte der JU-Chef der Rheinischen Post.

Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zweifelt gar am Status der CDU als Volkspartei im Nordosten. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte der frühere CDU-Spitzenpolitiker: "Das Selbstverständnis einer Volkspartei hängt nicht allein von Wahlergebnissen ab. Aber es hängt davon ab, ob sie überall in der Gesellschaft vertreten ist. Das ist man mit 19 Prozent natürlich nicht mehr."