58 Millionen Euro sind ein stolzer Betrag, selbst für die Bundeswehr. Dafür lassen sich mehr als zwölf Transportpanzer Boxer kaufen, viele tausend Gewehre anschaffen oder einige marode Kasernen in Deutschland sanieren. Diesen Betrag will das Verteidigungsministerium nun ausgerechnet in der Türkei investieren. Der deutsche Stützpunkt in Incirlik soll modernisiert werden – obwohl zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara heftig über die Präsenz der deutschen Soldaten dort gestritten wird. Seit Monaten verhinderte die Türkei, dass Abgeordnete des Bundestages die Frauen und Männer ihrer Parlamentsarmee Incirli besuchen durften. Mehrfach drohten deutsche Politiker bereits mit dem Ende des Einsatzes. Nun stehen die Zeichen überraschend auf Entspannung – die Abgeordneten dürfen nun doch wieder nach Incirlik reisen – und auf einen Ausbau des Engagements.

In Incirlik im Süden der Türkei sind sechs Aufklärungsjets vom Typ Tornado und ein Tankflugzeug der Bundeswehr stationiert. Sie unterstützen die internationale Koalition im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" in Syrien. Eigene Angriffe fliegt die Bundeswehr nicht, versorgt die Partner aber mit Informationen und Luftbildern, die diese auch für Luftschläge nutzen können. "Die Bundeswehr würde gerne den gemeinsamen Kampf gegen den IS von der NATO-Basis Incirlik aus fortführen", hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt. Nun unterstreicht ihr Ministerium diesen Wunsch mit dem geplanten Millionenprojekt.

Solche hohen Investitionen der Bundeswehr im Ausland sind nichts Neues, seitdem die Truppe zur Einsatzarmee umgebaut wurde. Auch in die Feldlager in Afghanistan oder in die Marinebasis Dschibuti investierten die deutschen Streitkräfte in den vergangenen Jahre große Beträge. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit der Soldaten vor Ort, sondern auch um Kommunikationssysteme und den Nachschub. In Masar-i-Scharif, dem Hauptquartier in Nordafghanistan, wurde beispielsweise der militärische Flughafen ausgebaut. Die bereits aufgegeben Feldlager Kundus und Faizabad übergab die Bundeswehr an afghanische Sicherheitskräfte, die diese nun nutzen. Eine Art militärische Entwicklungshilfe. Der Nato-Partner Türkei hat solche Unterstützung nicht nötig.

Dennoch finanziert Deutschland den Ausbau des Stützpunktes. Für rund 26 Millionen Euro sollen Betriebsflächen für die Tornado-Aufklärungsjets und Unterkunftscontainer für Piloten, Bodenpersonal und Techniker gebaut werden. Für weitere 30 Millionen Euro will die Luftwaffe dort einen mobilen Gefechtsstand aufstellen. Davon profitieren nicht nur die deutschen Soldaten, sondern auch langfristig ihre türkischen Kameraden. Denn nach einem Abzug würde die Türken wohl das Areal übernehmen. Lediglich den Gefechtsstand, der auch an anderen Orten eingesetzt werden kann, würde die Bundeswehr bei einem Abzug wohl mitnehmen.

Überraschend ist die Millionenausgabe, weil das Verhältnis zur Türkei als extrem belastet gilt. Deutsche Politiker durften die in Incirlik stationierten Soldaten lange Zeit nicht besuchen. Die türkische Regierung war verstimmt wegen der Armenienresolution des Bundestages, die von einem Völkermord im Osmanischen Reich spricht. Mehrere Politiker aus der Regierungskoalition, darunter der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, hatten gedroht, dass sie das Mandat für den Einsatz in der Türkei nur verlängern würden, wenn sie die Truppe dort besuchen dürften.

Doch nun zeichnet sich eine Entspannung ab. Nachdem die Bundesregierung klar gestellt hatte, das die Armenienresolution für sie rechtlich nicht bindend ist, willigte die türkische Regierung jetzt ein, dass eine Delegation des Bundestag Anfang Oktober die deutschen Soldaten in Incirlik besuchen darf.