Global denken, lokal handeln! Der Spruch stammt zwar aus dem letzten Jahrhundert, doch er ist immer noch richtig – in diesen Tagen mehr denn je. Denn da trifft sich Bundeskanzlerin Angel Merkel mit den Regierungschefs der wichtigsten Industrieländer (G 20) in China, um gemeinsam über Lösungen für globale Probleme nachzudenken und das ist gut so. Schlecht ist allerdings, dass ausgerechnet hierzulande der zweite Teil des Spruches immer offensichtlicher ignoriert wird – und zwar beim wichtigsten Thema der Tagesordnung, dem Klimaschutz. Denn während der amerikanische Präsident Barack Obama und sein chinesischer Kollege kurz vor dem Gipfel in Hangzhou bekannt gaben, dass ihre Länder das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert haben, muss die Bundesregierung beredet schweigen: In Deutschland ist nichts passiert.

In Paris, das zur Erinnerung, hatten sich die Regierungen dieser Welt im vergangenen Dezember darauf geeinigt, die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad zu beschränken. Damit das möglich wird, soll die Wirtschaft bis Mitte des Jahrhunderts weltweit Treibhausgasneutralität erreichen. Jedes Land muss dafür ein nationales Programm starten. Sanktionen soll es zwar bei Verstößen nicht geben, aber die Hoffnung ist groß, dass sich zumindest die wichtigen Regierungen die Peinlichkeit des Versagens nicht leisten wollen.

Sicher ist die schnelle Ratifizierung des Abkommens durch die USA und China erst einmal ein guter PR-Coup. Ihre Regierungen haben mehr auf die Tube gedrückt als die Europäer und ihren Ländern ein paar positive Schlagzeilen als Klimapioniere besorgt. In der EU dauert das länger. Aber sind wir in Europa und vor allem in Deutschland nicht so: langsam, aber gründlich?

Schön wäre es. Zwar gibt es keinen Zweifel daran, dass auch Deutschland und seine europäischen Nachbarn dem Pariser Abkommen irgendwann zustimmen werden. Doch gleichzeitig wird es leider immer unwahrscheinlicher, dass sie und die Bundesregierung auch die nötigen Konsequenzen ziehen.

Erste Anzeichen dafür gab es in Berlin bereits im Frühjahr: Da wurde der Entwurf des Klimaschutzplanes 2050 bekannt. Geschrieben hatte ihn Umweltministerin Barbara Hendricks. Der Plan beschrieb, was sich tun muss, damit Deutschland aufhört, ein Klimaschädling zu sein. Dabei geht es nicht um schnelle Aktionen, sondern um den Umbau der Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten.

Klimaschutzplan, weich und weicher gespült

Doch auch das macht erst ihrem Parteigenossen, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, und dann den CDU-Wirtschaftspolitikern fürchterliche Angst. Der Sozialdemokrat wollte nichts vom Kohleausstieg hören und sorgte dafür, dass der Bericht umgeschrieben wurde. Dann legten die Christdemokraten nach, wütend, dass dort der Abschied vom Verbrennungsmotor und das Ende der Ölheizung thematisiert wurden. Also wurde der Klimaschutzplan weicher und weicher gespült, und Angela Merkel schaute zu. Bald ist er sein Papier nicht mehr wert, signalisiert nur noch: Bei dem Thema geht frühestens nach den nächsten Wahlen wieder was. Also in einem guten Jahr. Und dann wahrscheinlich auch nur, wenn die Grünen mitregieren.

Die moderne deutsche Version des ollen Spruches lautet also leider: Global denken, lokal vertagen. Ganz so, als ob der Klimawandel nur eine Erfindung sei oder kein besonders dringliches Problem. Gerade schlimm genug, um auf Gipfeln immer mal wieder drüber zu reden. 

PS: Während des Hin- und Rückfluges nach Hangzhou wird Angela Merkel übrigens 5.240 Kilogramm CO2 emittieren. Dafür könnte sie zweieinhalb Jahre mit einem Mittelklasseauto durch die Gegend fahren, pro Jahr etwa 12.000 Kilometer.