SPD-Chef Sigmar Gabriel setzt seinen Koalitionspartner unter Druck. In einem Brief stellt  der Vizekanzler laut Bild am Sonntag einen Sechs-Punkte-Plan auf, den die große Koalition in den nächsten Wochen abarbeiten müsse. Dazu zählten ein schneller Kabinettsbeschluss über das Gesetz für Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, eine zügige Einigung bei der Reform der Erbschaftssteuer, die Angleichung der Renten in Ost und West aus Steuermitteln, die Einführung der Lebensleistungsrente, die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen und eine erneute Mietrechtsreform.

Am heutigen Sonntag beraten die Spitzen der großen Koalition erstmals nach der Sommerpause über zentrale Projekte der nächsten Monate. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt CSU-Chef Horst Seehofer gegen Mittag zu einem Vorgespräch. Gabriel wird etwa eine Stunde später dazustoßen.

Zentraler Punkt bei den Gesprächen wird auch der Umgang mit der Flüchtlingskrise sein. Vor dem Gipfel haben führende CDU-Politiker die Christsozialen aufgefordert, die Angriffe auf die Kanzlerin einzustellen. "Nichts schadet CDU und CSU so sehr wie ein Streit unter den Unionsschwestern", warnte etwa CDU-Vize Thomas Strobl in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. In der Flüchtlingskrise sei es fahrlässig, so zu tun, als zeigten die beschlossenen Maßnahmen keine Wirkung. "Scheindebatten über Randthemen sind kübelweise Wasser auf die AfD-Mühle."

Seehofer beharrt jedoch weiterhin auf einer Obergrenze. "Die Union kommt aus dem Verlierermodus nur heraus, wenn wir eine klare Antwort geben, wie wir die Zuwanderung begrenzen wollen", sagte Seehofer der Bild am Sonntag. Er wolle zwar Gemeinsamkeiten, aber nicht um jeden Preis. Er gehe dennoch optimistisch in die kommenden Gespräche. "Wir werden uns mit gutem Willen auch bei diesen kontroversen Fragen in nächster Zeit verständigen." 

Peter Tauber hält die Differenzen innerhalb der Union für gering. "Wir sollten den Eindruck vermeiden, dass wir völlig gegensätzliche Vorstellungen haben", sagte der Generalsekretär der CDU der Welt am Sonntag. "Die CSU geht in einigen Punkten vielleicht weiter als wir – aber wir gehen in die gleiche Richtung."