Geht es nach Armin-Paul Hampel, sind Muslime eine Gefahr für die deutschen Baudenkmäler wie das Ulmer Münster. Die Kirche mit dem weltweit höchsten Turm sei baulich bedroht und benötige 35 Millionen Euro für die Sanierung, sagt das Bundesvorstandsmitglied der AfD am Tag nach dem Wahlerfolg von Mecklenburg-Vorpommern.

Doch ein Muslim werde sich nicht mit privaten Spenden an der Renovierung der Kirche beteiligten, sagt Hampel, der demnächst in Niedersachsen eine Kommunalwahl zu bestehen hat. Muslime hätten generell nicht so viel für Baudenkmäler übrig wie die Europäer. Er kenne sich aus, er habe mehrere Jahre im Orient gelebt.  

Der Muslim als Risikofaktor – dieses Thema wird bei der AfD weiter bestimmend sein. In Berlin will die Partei so in zwei Wochen ins Abgeordnetenhaus einziehen, 2017 in den Bundestag. Migration werde bis dahin zwar nicht zwingend das Hauptthema sein, sagt Bundessprecherin Frauke Petry. Trotzdem bietet es der AfD genügend Stoff für neue Bedrohungsszenarien: Die nachziehenden Familienangehörigen der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Oder das noch immer nicht funktionierende Dublin-System. An Bedeutung werde das Migrationsthema auf keinen Fall verlieren, trotz Türkei-Deal und sinkender Ankunftszahlen, sagt Petry. All diese Themen "drängen sich förmlich auf".

Flüchtlinge statt Kümmern

Im Frühjahr nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hatte sich die AfD noch als "Partei des sozialen Friedens" inszeniert – eine Positionierung, mit der ein Bedeutungsverlust vermieden werden sollte, falls die Flüchtlingskrise anklingen sollte.

Heute ist von dieser Kümmerer-Offensive nicht viel übrig. Petry ordnet das Soziale in den allgemeinen Themenkanon ihrer Partei ein: Das Kümmern um sozial Schwache verschwindet zwischen Euro-Krise ("abschaffen"), Bürgerbeteiligung ("niedrigere Quoten, Volksentscheide") und dem Kampf gegen "ungehemmte Migration". Die Selbstständigkeit des Bürgers nicht untergraben, lautet eine Maxime der Partei. Jeder soll für sich selbst sorgen.

Petry sieht die AfD trotzdem als soziale Partei. "Gesellschaftliche Solidarität ist uns wichtig", sagt die Parteichefin. Aber es sei auch wichtig, "dass eine Partei die Diskussion führt, wieviel Staat der Mensch braucht".

Regierungsverantwortung, aber mit wem?

Der Erfolg von Schwerin lässt die Parteiführung auch über Regierungsverantwortung sprechen. Immerhin hat die AfD jetzt Abgeordnete in neun Landesparlamenten, im Osten ist sie flächendeckend vertreten. Einig ist sich die Bundesspitze keinesfalls: Bundesvorstand Alexander Gauland steht gegen Petrys Co-Bundessprecher Jörg Meuthen. Gauland sieht die AfD als Oppositionspartei.

AfD-Zweitstimmen bei der LTW 2016 in Mecklenburg-Vorpommern

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