20,8 Prozent, zweitstärkste Kraft vor der CDU – die AfD hat ihre Erfolgsserie bei den Landtagswahlen auch in Mecklenburg-Vorpommern fortgesetzt. Insgesamt wählten 167.453 von rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten die rechtspopulistische Partei, die im Wahlkampf vor allem auf die Themen Flüchtlinge und Islam gesetzt hatte.

Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Das Ergebnis hat Auswirkungen über die Grenzen von Mecklenburg-Vorpommern hinweg. Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte auch parteiintern stärker wegen ihrer Flüchtlingspolitik neuer Kritik ausgesetzt sein. Und die SPD dürfte sich darin bestärkt sehen, sich von Merkel und ihrem Kurs zu distanzieren – auch wenn sie inhaltlich weitgehend mit ihm übereinstimmt und ihn mitgetragen hat. Am Ende könnte es so die AfD sein, die mit ihren Erfolgen mit darüber entscheidet, ob Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin der Union antritt.

Doch woher kamen die vielen AfD-Wähler? Ein Blick auf die Wählerwanderung von Infratest dimap für die ARD zeigt, dass die Partei besonders Nichtwähler mobilisiert hat: 55.000 Menschen, die 2011 zuhause geblieben waren, wählten dieses Mal die Rechtspopulisten. 

Die NPD ausgeblutet

Doch auch bei Wählern der anderen Partei konnte die AfD punkten. Getroffen hat das vor allem die CDU, die 22.000 Stimmen an die AfD verlor. Die SPD und die Linkspartei verloren mit 15.000 beziehungsweise 16.000 Stimmen erheblich an die Rechtspopulisten.

Bemerkenswert ist auch, wie sehr die AfD der NPD geschadet hat. Die Rechtsextremisten hatten sich im Wahlkampf mehrfach beklagt, dass die AfD ihre Positionen übernehmen und so in ihrem Spektrum wildern würde. Die dahintersteckende Furcht war berechtigt: 20.000 Wähler, die 2011 noch die NPD gewählt hatten, entschieden sich dieses Mal für die AfD. Das entspricht fast 50 Prozent. Wichtige Stimmen, mit denen die NPD erneut die Fünf-Prozent-Hürde genommen hätte und in den Landtag gezogen wäre.

Doch nicht nur die NPD, auch andere Klein- und Kleinstparteien verloren an die AfD: 22.000 Wahlberechtigte, die beim letzten Mal einer solchen Partei die Stimme gegeben hatten, liefen zu den Rechtspopulisten über. Die AfD hat also über fast alle Lager hinweg Stimmen mobilisiert. Nur die Anhänger der Grünen waren weitgehend immun: Nur 3.000 Grünen-Wähler von 2011 wählten 2016 die AfD.

SPD gewinnt Grünen-Wählern

Anders sieht es aus, wenn man die Wählerbewegungen der SPD in den Blick nimmt. Hier zeigt sich, dass die Partei von Ministerpräsident Erwin Sellering vor allem Nichtwähler, aber besonders auch frühere Grünen-Wähler für sich gewinnen konnte. Dass die Grünen 12.000 Stimmen und damit 20 Prozent an die Sozialdemokraten verloren, könnte vor dem Hintergrund der starken Umfragewerte für die AfD an einer Mobilisierung im linksliberalen Lager liegen.

Die Statistiken zur Wählerwanderung machen schließlich auch deutlich, warum die CDU so schwach abgeschnitten hat. Während der bisherige und wohl auch zukünftige Juniorpartner in der Regierungskoalition drastisch an die AfD verlor, konnte die Partei in den anderen Lagern kaum neue Stimmen gewinnen. Ähnlich sieht es bei der Linkspartei und den Grünen aus, die in Summe ebenfalls deutlich verloren haben.