Kein anderer Satz steht so für die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin wie dieser eine: "Wir schaffen das." Vor gut einem Jahr hat Angela Merkel (CDU) ihn bei einer Sommerpressekonferenz in Berlin geprägt, seither stetig wiederholt und bekräftigt. Inzwischen allerdings stellt die Kanzlerin offenbar leichte Abnutzungseffekte an ihrem meist zitierten Motto zur Willkommenskultur fest – nicht inhaltlich, sondern sprachlich.

Der Satz sei "Teil meiner politischen Arbeit, weil ich davon überzeugt bin, dass wir ein starkes Land sind, das auch aus dieser Phase gestärkt herauskommen wird", sagte Merkel dem Magazin WirtschaftsWoche. "Manchmal denke ich aber auch, dass dieser Satz etwas überhöht wird, dass zu viel in ihn geheimnist wird. So viel, dass ich ihn am liebsten kaum noch wiederholen mag, ist er doch zu einer Art schlichtem Motto, fast zu einer Leerformel geworden."

Merkel bekräftigt in dem Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin ihre Grundhaltung zur Aufnahme von Menschen, die vor Krieg oder Terror fliehen. Sie geht aber auch auf die Skepsis der Kritiker ihrer Flüchtlingspolitik ein. Manch einer habe sich von ihrem Satz provoziert gefühlt, räumt die Bundeskanzlerin ein. "So war er natürlich nie gemeint, sondern anspornend, dezidiert anerkennend."

Noch im Juli hatte Merkel das Motto bei ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin bekräftigt: Es werde Deutschland nicht überfordern, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Haltung in der Bevölkerung dazu ist gespalten. Laut einer Emnid-Umfrage vor gut zwei Wochen glaubt gut die Hälfte der Bürger nicht, dass Merkel recht behalten wird. Verglichen mit den Umfragewerten ein Jahr zuvor sank die Skepsis allerdings leicht.