Am Sonntag könnte eine Partei, die "Politik für das eigene Volk" machen und das "Asylchaos beenden" will, Grenzkontrollen fordert und für ein konservatives Familienbild eintritt, stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern werden. Man könnte meinen, diese Entwicklung käme der rechtsextremen NPD gelegen. Doch der Erfolg der AfD bedroht ihre eigene Existenz. Während aktuelle Umfragewerte der AfD einen Stimmenanteil von über 20 Prozent prognostizieren, werden der NPD drei Prozent vorausgesagt.

Bei den Landtagswahlen 2006 erreichte die NPD rund sieben Prozent, 2011 waren es sechs. Fünf Abgeordnete stellen sie derzeit im Landtag – und sind auch so in der Region tief verwurzelt. "Die NPD hat in Mecklenburg-Vorpommern ein eigenständiges Wählerpotenzial, das bisweilen lokal sehr fest an die NPD gebunden ist", sagt Jochen Müller, Professor für politische Soziologie an der Universität Greifswald. Überregional bekannt sind Dörfer im Nordosten, in denen die NPD von der Kindererziehung bis zum Dorffest fest verankert ist.

Gegen die aktuell schlechten Umfragewerte hilft das nicht. Laut Christian Nestler, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock, hat die NPD vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen: "Zum einen schwebt das laufende Verbotsverfahren über der Partei. Zum anderen ist davon auszugehen, dass sich ein Teil derer, die die NPD vorher aus Protest gewählt haben, nun für die AfD entscheidet."

Zwischen Abgrenzung und Annäherung

Seit zehn Jahren sitzt die NPD im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns. Was ist von ihrer parlamentarischen Arbeit geblieben? "Die NPD hat immer ganz klar auf die Bühne der Landtagsdebatte gesetzt, um ihre eigenen Thesen möglichst breit zu streuen," sagt Nestler. Sie sei weniger durch inhaltliche Arbeit, sondern eher durch Provokationen gegenüber den anderen Parteien und dem politischen Establishment aufgefallen. Konkrete Veränderungen zu erreichen, darum sei es den NPD-Parlamentariern nicht gegangen. Zumindest bei der überzeugten Wählerschaft, die die These teilt, man müsse gegen das System arbeiten, sei das positiv angekommen, sagt Nestler.

Auch dieses Mal will die NPD also Protestwähler adressieren, um nicht an der Fünfprozenthürde zu scheitern. Eine klare Linie im Kampf um diese ist allerdings bislang nicht zu erkennen. Einerseits versucht die Partei sich von der AfD abzugrenzen, Unterschiede aufzuzeigen und die Wähler davon zu überzeugen, die wahre Alternative zu sein.

Gleichzeitig aber suchen die Rechtsextremen die Nähe zum Konkurrenten. Die NPD hat im Land keine Direktkandidaten aufgestellt, sondern legt ihren Wählern nahe, ihre Erststimme der AfD zu geben. Vize-NPD-Landeschef David Petereit sagte in diesem Zusammenhang, dass es dort "ja einige ordentliche Leute" gebe.

Der Greifswalder Politologe Müller sieht darin den Versuch der NPD, den Erfolg der AfD für sich zu nutzen. Dass die NPD AfD-Wähler auf diese Weise überzeugt, ihnen die Zweitstimme zu geben, glaubt er allerdings nicht. "Für viele Wähler aus dem rechten Spektrum ist die NPD zu extrem, antidemokratisch und für sie deshalb nicht wählbar", sagt Müller. Der Anteil derjenigen, für die grundsätzlich beide Parteien infrage kommen, sei nicht sehr groß. Sein Kollege Nestler glaubt, dass die NPD eher versucht, organisatorische Schwächen für sich positiv zu verkaufen. Aus wahlkampftaktischer Sicht mache die Annäherung keinen Sinn, stelle sie doch die eigene Relevanz infrage. Letztendlich könne von dieser Taktik nur die AfD profitieren, prophezeit Nestler.