Der Bundestag hat für eine Beteiligung der Bundeswehr an der neuen Nato-Marinemission "Sea Guardian" im Mittelmeer gestimmt. Bei 441 Ja-Stimmen und 117 Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung wurde am Donnerstag die Entsendung deutscher Soldaten zu dem bewaffneten Einsatz gegen den Terror und das Schleusergeschäft beschlossen. Die Operation, die beim Nato-Gipfel in Warschau am 8. Juli vereinbart worden war, löst die langjährige Mission "Active Endeavour" ab.

"Active Endeavour" war nach den islamistischen Anschlägen vom 11. September 2001 ins Leben gerufen worden. Der neue Einsatz richtet sich gegen Dschihadistengruppen wie den "Islamischen Staat" (IS), dient aber auch der Bekämpfung des Menschenschmuggels auf dem Mittelmeer. Die beteiligten Schiffe und Flugzeuge sollen ein umfassendes Lagebild erstellen, Schiffe dürfen bei Terrorverdacht kontrolliert und durchsucht werden.

Deutschland beteiligt sich mit bis zu 650 Soldaten. Sie werden aber nicht wie bei anderen Auslandseinsätzen eigens entsandt. Vielmehr sollen Schiffe der Bundeswehr, die sich ohnehin auf Fahrt im Einsatzraum befinden, "im Transit" dem Nato-Kommando unterstellt werden. Hinzu kommen die deutschen Besatzungen der Awacs-Aufklärungsflugzeuge.

Die Operation umfasst das Mittelmeer, die Straße von Gibraltar und ihre Zugänge sowie den Luftraum darüber. Das Bundeswehrmandat ist zunächst bis Ende nächsten Jahres befristet. Die Nato plant den Beginn des Einsatzes für Oktober. Die Kosten für Deutschland werden für 2016 mit 2,6 Millionen Euro und für 2017 mit 10,5 Millionen Euro angegeben und umfassen sämtliche Bereiche von Personal bis Beschaffung.

Die Nato will bei ihrem Einsatz grundsätzlich mit anderen Mittelmeermissionen kooperieren. So soll zum einen die EU-Mission "Operation Sophia"logistisch unterstützt und mit Daten versorgt werden. "Sophia" soll im Kampf gegen die Flüchtlingskrise vor der libyschen und der italienischen Küste Menschenschmuggel verhindern.

Hilfe soll auch den maritimen Nato-Einsatzverbänden in der Ägäis geleistet werden, die dort die Flucht von der Türkei nach Griechenland eindämmen sollen. Wie genau diese Kooperationen aussehen sollen, ist noch unklar.

Die geplante Zusammenarbeit zwischen "Sophia" und "Sea Guardian" wird einerseits als Annäherung zwischen EU und Nato begrüßt. Zugleich stößt die Verzahnung auf Kritik. Ein Vorwurf lautet, Flüchtlinge sollten mit militärischen Mitteln von Europa ferngehalten werden. Ein anderer, die Nato wolle das Mittelmeer zu ihrem Hoheitsgebiet erklären.