Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat Berichten über eine mögliche Kandidatur für das Bundespräsidentenamt eine Absage erteilt. Die evangelische Theologin sagte ZEIT ONLINE: "Es ehrt mich, dass mein Name im Zusammenhang mit dem höchsten Amt im Staat genannt wird. Allerdings stehe ich für dieses Amt nicht zur Verfügung".

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hatte die evangelische Theologin für die Nachfolge von Joachim Gauck ins Gespräch gebracht. Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger bestätigte einen Bericht der Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gabriel habe in einem Telefonat mit ihm vorgefühlt, ob die Linke Käßmann mittragen würde.

"Die SPD führt seit Längerem Gespräche, auch mit der Linken", sagte Riexinger dem Tagesspiegel. Dabei habe auch Käßmann eine Rolle gespielt. "Wir wollen eine Kandidatin oder einen Kandidaten, der weltoffen ist, für soziale Gerechtigkeit und eine friedliche Außenpolitik steht". Das würde zweifelsfrei auf Frau Käßmann zutreffen, so Riexinger. 

Riexinger kritisiert "taktische Spielereien"

Allerdings hatte Riexinger auch angedeutet, dass Gabriels Bemühungen eine Finte sein könnten. Von den öffentlichen Spekulationen über Käßmann sei er wenig begeistert. "Es wäre bedauerlich, wenn in der großen Koalition taktische Spielereien mit dem Bundespräsidentenamt oder mit Frau Käßmann betrieben würden", warnte er. Den betroffenen Personen gegenüber sei es unverantwortlich, "in der Öffentlichkeit mit ihren Namen zu spielen", sagte er dem Tagesspiegel. Offiziell favorisiert Gabriel weiterhin einen Konsens mit CDU und CSU bei der Suche nach einem Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck.

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter nannte Käßmann "eine starke Persönlichkeit, die sich zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen mutig positioniert". In der Frage sei aber noch nichts entschieden, es würden weitere Gespräche geführt werden, sagte Peter dem Tagesspiegel.

Rücktritt nach Alkoholfahrt

Die populäre evangelische Theologin war im Februar 2010 nach nur wenigen Monaten von ihrem Amt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland zurückgetreten, nachdem sie alkoholisiert mit ihrem Auto über eine rote Ampel gefahren war. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte damals auf Käßmanns Rücktritt mit "Respekt und Bedauern". Bereits vor dem Rücktritt hatte Merkel gesagt, sie schätze Käßmann als "Gesprächspartnerin, als Seelsorgerin und als Theologin". Gabriel nannte sie damals eine "verlässliche Anwältin für Solidarität und starke Persönlichkeit". Er hoffe, dass sie sich auch weiter zu Wort melden werde.

Ein geteiltes Echo bis hin zu großer Empörung löste Käßmann mit ihrer Neujahrspredigt 2009 aus, in der sie mit Blick auf den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sagte: "Nichts ist gut in Afghanistan."

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Bernd Von Jutrczenka/dpa
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