Nach dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und seinem Vize Manfred Weber wollen jetzt auch weitere CSU-Politiker Angela Merkel als Kanzlerkandidatin im kommenden Jahr unterstützen. "Wenn Angela Merkel bereit ist, erneut als Bundeskanzlerin zu kandidieren, hat sie meine volle Unterstützung", sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, der Mitteldeutschen Zeitung.

"Differenzen klären"

"Wir sind dabei, die wenigen verbliebenen inhaltlichen Differenzen zu klären, und sollten unsere Kräfte auf den politischen Gegner konzentrieren", sagte Hasselfeldt weiter. "CDU und CSU sind nur gemeinsam erfolgreich in Deutschland."

Ähnlich äußerte sich der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber. "Frau Merkel sollte Kanzlerkandidatin werden", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Denn sie ist weltweit anerkannt, die beste Anführerin des Mitte-Lagers in Deutschland und damit die einzige, die einen Erfolg bei der Bundestagswahl garantieren kann. Wir als CSU sollten uns auch im eigenen Interesse hinter die Kanzlerin stellen."

Nach ihrem erbitterten Streit um die Flüchtlingspolitik, der seit Ende 2015 anhielt, kommen sich die beiden Schwesterparteien inzwischen wieder näher. In Umfragen war die Union zuletzt auf unter 30 Prozent abgerutscht. Dazu hat neben dem Erstarken der rechtspopulistischen AfD auch der Streit zwischen CDU und CSU beigetragen.

Noch immer trennt die Obergrenze

Die Auseinandersetzung zwischen den Unionsparteien kreist vor allem um die Forderung der CSU nach einer Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr; Angela Merkel lehnt eine solche Grenze strikt ab. Zum CSU-Parteitag in knapp zwei Wochen hat Seehofer sie deshalb nicht eingeladen – angeblich in Abstimmung mit Merkel, um einen unfreundlichen Empfang zu vermeiden. Ob Merkel Seehofer im Gegenzug zum CDU-Parteitag Anfang Dezember in Essen einlädt, ist noch unklar. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sprach sich dafür aus: "Wir sollten unserer Überzeugung und unserem verbindlichen Stil als CDU treu bleiben und unabhängig von der Vorleistung des anderen entscheiden."

Klöckner gab sich versöhnlich. "Ob die CSU nun eine Einladung nach Bayern ausspricht, ist zwar interessant, sollten wir aber nicht überbewerten", sagte sie. "Wichtiger ist doch, dass CDU und CSU sich in den Hauptfragen einig sind, wenn es um Recht, Ordnung, innere Sicherheit geht." Es gehe nicht um einen Wettbewerb zwischen CDU und CSU, "sondern um den gemeinsamen Weg, die anstehenden Probleme zu lösen".