Es muss Ende 2009, Anfang 2010 gewesen sein, als Julia Klöckner in den Hunsrück fuhr, um Werner Mauss zu treffen. Es ist ein größeres Anwesen, insbesondere die gigantische Reithalle ist ein Anziehungspunkt, hier finden Feste statt, hier wird Besuch empfangen. In diesem Fall: Julia Klöckner, zu diesem Zeitpunkt noch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium.

Die Türen zu Mauss' Anwesen öffnete ihr Peter Bleser, Klöckners Nachfolger im Berliner Amt und seit 2006 Schatzmeister der rheinland-pfälzischen CDU. "Herrn Mauss kenne ich seit vielen Jahren", sagte Bleser am Dienstag in Mainz, und "es wäre auch ungewöhnlich, wenn nicht", schließlich wohne Mauss in seinem Wahlkreis. Dass der illustre frühere Geheimdienstmann aber der CDU über sieben Jahre hinweg 82.000 Euro spendete – das will Bleser nicht gewusst haben.

Am Dienstag räumte Bleser nach tagelangem Abtauchen ein: Ja, das Geld stammte von Mauss, geflossen an die CDU über den Umweg einer Rechtsanwaltskanzlei. Spenden von Dritten sind nach dem Parteiengesetz illegal, gewusst haben will man davon aber bei der CDU nichts – obwohl auf gleich mehreren Überweisungen der Zusatz "Nolilane" auftauchte. Nolilane, das ist eine Firma von Mauss, auf sie ist sein Anwesen im Hunsrück eingetragen, ganz offiziell.

Wirklich nichts gewusst?

Es waren Recherchen der Süddeutschen Zeitung, die den seltsamen Geldfluss des Herrn Mauss an die CDU zutage förderten. Mauss steht derzeit in Bochum wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Am 19. September stellten die Süddeutsche und ihre Recherchepartner NDR und WDR eine Anfrage an die rheinland-pfälzische CDU, darin die Frage: "Wusste Ihre Partei, wer hinter der Nolilane steht oder hat sie Geld von einer ausländischen Firma angenommen, ohne sich darüber im Klaren zu sein, wer dahintersteht?"

"Sie nehmen es mir sicher nicht ab, aber den Namen Nolilane habe ich letzte Woche zum ersten Mal gehört", betonte Bleser am 4. Oktober: "Bis vergangene Woche hat den Namen Nolilane hier niemand einordnen können." Wirklich nicht? Schon 1997 ordnete der Spiegel Nolilane Mauss zu. Und noch im März 2015 beriet der zuständige Gemeinderat im Hunsrück über den Bau einer Wasserleitung zu einem gewissen Pferdegestüt in der Gemeinde, Besitzer: die Firma Nolilane N.V. Ganz offen wird der Name in veröffentlichten Gemeinderatsunterlagen genannt.

Sagte der Name auf dem Überweisungsträger also im CDU-Kreisverband Cochem-Zell wirklich niemandem etwas? Wie glaubhaft ist es, dass Bleser diesen Namen nie zuvor gehört hat? Er sei einige Male bei Mauss zu Veranstaltungen in der Reithalle eingeladen gewesen, sagte Bleser nun, welche Anlässe das genau seien, wisse er aber gar nicht: "Ich kann Ihnen nicht sagen, was für Gäste da waren." Und ja, er sei auch mit Julia Klöckner bei Mauss gewesen, "weil das eine bekannte Person ist", sagte Bleser weiter, man habe einen kurzen Besuch abgestattet und die Reithalle besichtigt. Ende 2009, Anfang 2010 sei das gewesen.

Am 4. Februar und am 10. September 2010 erhielt die CDU Rheinland-Pfalz Spenden in Höhe von 9.000 Euro und 9.500 Euro von einer Anwaltskanzlei in Eisenach, der Absender: Franz Otto Hansen, Rechtsanwalt mit Kanzlei in Simmern im Hunsrück und Zweitstelle in Eisenach. Ein Zufall? Hansen war kein Unbekannter: Seit 2008 spendete der Anwalt regelmäßig an die CDU Rheinland-Pfalz, hauptsächlich dem Kreisverband Cochem-Zell, immer 9.000 oder 9.500 Euro, also knapp unterhalb der magischen Grenze von 10.000 Euro, ab der die Namen von Parteispendern offengelegt werden müssen. 82.000 Euro kamen so über sieben Jahre zusammen.