ZEIT ONLINE: Es gibt Teile Deutschlands, da kommt genau das gut an, da ist reaktionär das neue konservativ und die AfD beinahe Volkspartei.

Blume: Das ist bedauerlich, aber nachvollziehbar. Die Menschen nehmen in Umfragen vier Parteien links der Mitte wahr, aktuell auch die CDU. Und nur eine Partei rechts der Mitte, das ist die CSU. Und wenn die CSU eben nur in Bayern antritt, dann ist das eine einfache Frage von Angebot und Nachfrage, dass die Menschen sich außerhalb Bayerns eine Alternative suchen. Die Union ist gut beraten, ihr politisches Angebot wieder so zu verbreitern, dass sie politische Heimat für das gesamte Spektrum bürgerlicher Überzeugungen ist. Da gehört der Stammtisch genauso dazu wie großstädtische Milieus.

ZEIT ONLINE: Ein paar Beispiele aus dem aktuellen Entwurf zum CSU-Programm: "Wir lehnen Multi-Kulti ab", "Integration bedeutet auch Loyalität zur deutschen Nation", "Wer Deutscher werden will, soll das nicht nur auf dem Papier, sondern auch mit dem Herzen werden",  "Eine Bildungspolitik, die Gender-Ideologie und Frühsexualisierung folgt, lehnen wir ab", "Heimatliebe und gesunder Patriotismus gehören zusammen", "Dem Islam muss klar sein, dass er in unserem Land nicht die Mehrheitsreligion ist". Kann man der AfD Wähler abnehmen, indem man ihren Sound kopiert?

Blume: Da müssen Sie aber zugeben, dass das ja alles keine neuen Formulierungen im aktuellen Programm sind. Das sind Basispositionen, die die CSU teils seit Jahrzehnten vertritt. Wir waren immer eine Partei, die Liebe zur Heimat gezeigt hat, die zum Vaterland und zu Europa steht, die für Recht und Ordnung eintritt. Nur weil jetzt andere Bewegungen bestimmte Begriffe für sich reklamieren, werden sie nicht falsch. Im Gegenteil zeigt das eher, dass es offenkundig gerade auch bei den Wählern eine Nachfrage gibt nach politischen Angeboten, die um solche Leit- und Schlüsselbegriffe herum politische Antworten liefern. Deshalb sehe ich hier auch keinen Erklärungsbedarf.

ZEIT ONLINE: In Österreich, Frankreich und den USA zum Beispiel sieht man, wie Populismus die Debatte vergiften kann – ein Vorwurf, dem sich die CSU auch oft ausgesetzt sieht.

Blume: Ich gebe zu: Das ist eine Gratwanderung. Aber noch falscher wäre es, da zu schweigen, wo die Leute Ängste haben. Die Sorgen äußern sie zum Teil nur hinter vorgehaltener Hand, aber in der Wahlkabine machen sie dann in aller Brutalität deutlich, was sie wirklich denken. In diesem Umfeld, die Stimmung weiter gären zu lassen, wäre hochgradig gefährlich: Da droht ein Aufstand der Abgehängten, Unzufriedenen und Ungehörten. Wir waren immer eine Partei der klaren Aussprache. Deshalb: Auf die Menschen hören, aber ihnen nicht nach dem Mund reden. Das macht den Unterschied aus zu Populisten, die nur das sagen, was der Bevölkerung gefällt.