Die Europäische Kommission will keine weiteren Flüchtlingsabkommen nach dem Vorbild des EU-Türkei-Deals mit anderen Ländern abschließen. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn habe deswegen bei Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) interveniert, berichtete der Spiegel. Es sei kontraproduktiv, diesen Vergleich immer wieder ins Gespräch zu bringen, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt mehrfach tat

"Abkommen ähnlich dem, das wir jetzt mit der Türkei haben, müssen vor allen Dingen auch mit Ägypten erarbeitet werden, aber auch mit anderen afrikanischen Staaten", hatte Merkel im September in Wien bei einem Treffen zur europäischen Flüchtlingspolitik gesagt. Die Deals sollen dazu beitragen, die Zahl der nach Europa kommenden Flüchtlinge zu verringern.

Die EU zahlt der Türkei drei Milliarden Euro, unter anderem für die Unterbringung und den Schulbesuch der Flüchtlinge. Bei der EU-Kommission herrscht dem Spiegel zufolge die Sorge, dass Länder wie Ägypten nun ebenfalls derartige Geldsummen erwarteten, obwohl die Situation mit der in der Türkei nicht vergleichbar sei. Während die Türkei etwa 2,7 Millionen Syrer beherberge, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land geflohen seien, werde Ägypten vor allem als Durchgangsland betrachtet.

Am kommenden Mittwoch will Hahn laut Spiegel in Ägypten mit dem Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi über Partnerschaftshilfen für das Land sprechen, zum Beispiel um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Am Sonntag bricht Merkel zu einer dreitägigen Afrika-Reise nach Mali, Niger und Äthiopien auf. Dabei wird die Flüchtlingspolitik zu den Hauptthemen zählen.

In einem Interview mit der ZEIT in dieser Woche machte sie deutlich, dass die Frage nach dem Wohlergehen der Bevölkerung Afrikas zum deutschen Interesse zähle. "Deutschland musste sich dieser Frage früher nie so stellen, Italien dagegen schon, ebenso Spanien", sagte die Kanzlerin. "Wir waren die meiste Zeit schlicht zufrieden, dass keine Flüchtlinge kamen." Nun müsse sich Deutschland dem Problem stellen, weil die Menschen "vor unserer Tür" stünden. "Konkret heißt das in unserer Zeit, dass wir uns in neuer Weise mit Afrika befassen müssen."

Man könne natürlich nicht die ganze Welt von einem Tag auf den anderen zum Besseren wenden, sagte Merkel. "Aber wenn wir deutsche Interessen verfolgen wollen, müssen wir realistischerweise sagen, dass auch das Wohl Afrikas im deutschen Interesse liegt." Merkel bekräftigte die wachsende Bedeutung Afrikas am Samstag erneut in ihrem Videopodcast.