In einer Rede in der Nikolaikirche in Leipzig hat Martin Schulz (SPD) die enorme Anpassungsleistung der Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung als historisch gewürdigt. Gleichzeitig nannte er den Mut der Leipziger, die im Oktober 1989 erstmals bei einer Massenkundgebung gegen das damalige SED-Regime demonstrierten, ein "historisches Vermächtnis an die Bundesrepublik".

Der EU-Parlamentspräsident mahnte in seiner Rede, dass die in der Friedlichen Revolution erstrittene Demokratie heute in Gefahr sei. Es gelte, die Zukunft wie damals selbst in die Hand zu nehmen und geschlossen für Demokratie zu streiten, sagte Schulz. "Deutschland ist schon lange nicht mehr wie Weimar eine Demokratie mit nur wenigen Demokraten. Unser Land ist eine stolze Demokratie voll von stolzen Demokraten."

Das gelte für die ganze Republik, sagte er und mahnte, sich das nicht "von medial sehr präsenten Splittergruppen" verzerren zu lassen. "In unserem vereinten Deutschland muss das Ostdeutschenbashing endlich ein Ende haben" forderte Schulz. In Erinnerung, "dass eine starke und mutige Gemeinschaft, in der nicht jeder jede Meinung teilt, aber in der alle unverrückbar an den Prinzipien der Demokratie, der Humanität und der Rechtsstaatlichkeit festhalten", könnten die Grundwerte der Gemeinschaft Orientierung auch in Zeiten der Orientierungslosigkeit geben.

Demokratie gemeinsam verteidigen

Schulz hatte zuvor bereits auf einem Kongress in Dresden gefordert, die Demokratie zu verteidigen. Diejenigen, die sie angriffen und riefen "Wir sind das Volk", müssten in die Schranken gewiesen werden, sagte Schulz. Nur gemeinschaftlich könnten demokratische Werte geschützt werden und nicht etwa durch eine "Renationalisierung", sagte Schulz weiter. Es sei eine Illusion, dass man ein Land einzäunen könne und die Globalisierung dann schon vorbeilaufe.

Die Stadt Leipzig erinnert an diesem Wochenende mit einem Lichterfest vor allem an den 9. Oktober 1989. Damals demonstrierten 70.000 Menschen, was heute als ein entscheidender Impuls für die Umwälzungen in der DDR gilt.