Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) geht nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag als Berater zur Direktbank ING-DiBa. "Ich werde ein Angebot der ING-DiBa annehmen, als Berater des Vorstandes", sagte Steinbrück im Gespräch mit der ZEIT. Dies passe auch durchaus zu seiner häufig geäußerten Kritik an der Praxis vieler Banken.

Zum einen habe die ING-DiBa eine lange sozialdemokratische Tradition und sei von Georg Leber 1965 als Bank für Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand mit gegründet worden. Zum anderen sei sie in keine "der in Rede stehenden Verfehlungen oder Manipulationen verwickelt" gewesen und sei "sehr konservativ und risikoscheu", sagte Steinbrück.

Zu seiner Kritik stehe er nach wie vor. "Aber ich zweifle nicht daran, dass wir eine Landschaft wettbewerbsfähiger Finanzdienstleister in Deutschland brauchen, die unserer starken Realwirtschaft entsprechen", sagte der SPD-Politiker. Seine Zeit als Minister sei sieben Jahre her, eine Interessenkollision könne er daher nicht erkennen.

"Ein Aufschrei der Entrüstung"

In Steinbrücks Zeit als Bundesfinanzminister fiel die Finanzkrise 2008, in der die Bundesregierung mehrere Banken wie die Hypo Real Estate und die Commerzbank mit Milliarden gerettet hatte.

Bezogen auf die Deutsche Bank sagte Steinbrück nun, es wäre besser gewesen, sie während der Bankenkrise zum Annehmen von Staatsgeld zu zwingen. Eine "Zwangskapitalisierung" wäre richtig gewesen, aber die Banken und ihre Spitzenverbände hätten das damals nicht gewollt. "Die Scheu, gegen den versammelten Rat und die Position aller Banken eine solche Zwangskapitalisierung zu machen", sei in Deutschland ausgeprägter als in den USA, sagte der 69-Jährige.

"Als ich eine Bank verstaatlicht habe, gab es einen Aufschrei der Entrüstung! Während ausgerechnet im angloamerikanischen Finanzkapitalismus solche Verstaatlichungen oder Teilverstaatlichungen stattfanden – Northern Rock, Royal Bank of Scotland", sagte Steinbrück.

Bundestag - Über Sumpfhühner und Schlauberger Der SPD-Abgeordnete und frühere Finanzminister Peer Steinbrück scheidet aus dem Bundestag aus. Seine letzte Rede im Plenum nutzte er für eine persönliche Bilanz. © Foto: Monika Skolimowska/dpa

Der SPD-Abgeordnete und frühere Bundesfinanzminister hatte Mitte Juli die Entscheidung verkündet, sein Bundestagsmandat aufzugeben. Von 2002 bis 2005 war Steinbrück Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und von 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister. Nach der Wahl 2013, bei der die SPD mit ihm als Kanzlerkandidat nur auf 25,7 Prozent gekommen war, hatte er sich weitgehend aus der politischen Öffentlichkeit zurückgezogen.

Im nun heraufziehenden Bundestagswahlkampf würde er mit dieser Haltung jedoch den Anforderungen seiner Partei "an eine erforderliche politische Zuspitzung nicht gerecht" werden, sagte er. Er werde der SPD aber, "wann immer sie das wünscht", mit Rat zur Seite stehen.

In der ZEIT warnt Steinbrück erneut vor einem Aufflammen der Bankenkrise und äußert die Einschätzung, "dass es unter dem Druck des internationalen Wettbewerbs nach wie vor eine extreme Renditejagd gibt. Und dass Banken der Versuchung unterliegen, sich deshalb in Geschäften zu engagieren, die hoch riskant sind. Mit Verwunderung gucke ich immer noch darauf, dass der Derivatehandel sich längst von der Realwirtschaft um den Faktor zehn bis zwölf getrennt hat. Das bedeutet, dass dort massenhaft Wetten auf zukünftige Preise vorliegen, von denen viele scheitern und eine neue Erschütterung auslösen könnten."