Der mysteriöse V-Mann Corelli, der dem Verfassungsschutz den ersten Hinweis auf die Terrorgruppe NSU gegeben haben soll, sollte still und leise unter falschem Namen beerdigt werden. Das sagte die Abteilungsleiterin Rechtsextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags in Düsseldorf. 

Auf die Frage, wie die Angehörigen vom Tod erfahren hätten, sagte die Zeugin: "Schwierig." Der Verfassungsschutz habe das Interesse gehabt, die Legende des unter falschem Namen in einem Zeugenschutzprogramm untergebrachten Mannes auch nach seinem Tod aufrecht zu erhalten.

Die Medienveröffentlichung vom Tod der einstigen Topquelle habe den Plan aber durchkreuzt. Die Obfrau der Grünen im Ausschuss, Verena Schäffer, sagte: "Wenn es den Spiegel-Artikel nicht gegeben hätte, wüssten die Angehörigen vermutlich heute noch nichts". 

180.000 Euro vom Verfassungsschutz

Medienberichten zufolge war der frühere Neonazi Corelli unter den V-Männern des Bundesverfassungsschutzes wohl der einzige, der direkten Kontakt zu einem Mitglied des späteren NSU-Trios hatte. Schon 2005 hatte er dem Bundesamt für Verfassungsschutz eine CD mit der Aufschrift "NSU/NSDAP" übergeben – also sechs Jahre, bevor der NSU sich selbst enttarnte. Zwischen  1994 bis 2007 kassierte Corelli rund 180.000 Euro für seine Dienste beim Verfassungsschutz.

Unklar ist, wie nahe Corelli selbst der Terrorgruppe stand: Sein Name stand auf einer Adressliste, die Ermittler 1998 während einer Durchsuchung bei Uwe Mundlos fanden. Mehrere Untersuchungsausschüsse haben bereits versucht, das zu klären. Denn das würde bei der Beantwortung der Frage helfen, wie viel der Verfassungsschutz wann über die rechtsextremen Mörder wusste – und ob er ihre Taten hätte verhindern können. 

Zweifel an Diabetes-Erkrankung

Nach seiner Enttarnung als V-Mann 2012 wurde Corelli in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und bekam eine neue Identität. Im Frühjahr 2014 war er im Alter von 39 Jahren tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. An der Todesursache, einer unerkannten Diabeteserkrankung, sind inzwischen Zweifel aufgetaucht. Es wurden erneut Ermittlungen eingeleitet.

Im Zusammenhang mit Corelli musste der Verfassungsschutz wiederholt einräumen, dass er nicht alle Fakten zu seinem V-Mann offengelegt hat – trotz zahlreicher Nachfragen von Abgeordneten und Sonderermittlern. So wurde im Juni bekannt, dass bei einer erneuten Prüfung erst ein privates Smartphone von Corelli gefunden wurde und dann die dazugehörenden SIM-Karten. Obwohl der Verfassungsschutz zuvor erklärt hatte, es gebe nichts mehr zu finden. Später wurde bekannt, dass ein weiteres Mobiltelefon, dass zwar nicht Corelli, aber seinem V-Mann-Führer beim Verfassungsschutz gehört hatte, lange nicht einmal ausgewertet wurde.