Anfang der Woche hatte er bereits den Sicherheitsbehörden und der Polizei gedankt, nun hat sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière auch gegenüber denjenigen erkenntlich gezeigt, die den mutmaßlichen Terroristen von Chemnitz in ihrer Wohnung gefesselt und die Beamten alarmiert hatten: Er zolle den drei syrischen Männern Anerkennung, sagte de Maizière. "Wenn Menschen, die bei uns leben, bei öffentlichen Fahndungsaufrufen den Sicherheitsbehörden helfen und das möglicherweise unter Inkaufnahme der Gefahr für sie selbst, dann verdient ein solches Verhalten Lob und Anerkennung", sagte der Minister. Zu Forderungen, den Männern beschleunigt den Flüchtlingsstatus zuzuerkennen, sagte der CDU-Politiker, den hätten sie bereits.

Auf einer Pressekonferenz wurde de Maizière auch gefragt, ob man die drei Männer mit dem Bundesverdienstkreuz ehren solle. Jeder könne einen Menschen für diese Auszeichnung vorschlagen, sagte der Innenminister. Darüber entscheide letztlich der Bundespräsident.

Auch Regierungssprecher Steffen Seibert lobte das "mutige und entschlossene Handeln" der beiden Syrer. Möglicherweise hätten sie großen Schaden abgewendet. Der Fall zeige auch, dass der überwiegende Teil der Flüchtlinge genau die gleiche Abscheu vor Terroristen empfinde wie jeder andere Mensch.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes hätte Jaber al-Bakr innerhab weniger Tage eine Bombe in Deutschland zünden können. Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seine Behörde habe den Eindruck gewonnen, "dass der Verdächtige schon in dieser Woche einen Anschlag verüben könnte". Deswegen sei der Zugriff der Polizei auf den 22-jährigen mutmaßlichen Islamisten am Wochenende erfolgt.

Die Polizei hatte den 22-jährigen Al-Bakr am Montag in Leipzig festgenommen, nachdem er von Landsleuten in einer Wohnung überwältigt und gefesselt worden war. Ihm wird vorgeworfen, einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen geplant zu haben. De Maizière war in die Kritik geraten, weil er zu Wochenanfang zwar den Sicherheitsbehörden, nicht aber den Syrern gedankt hatte.

Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten den 22-Jährigen seit einiger Zeit im Visier. Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung in Chemnitz fanden sie am Samstag hochexplosiven Sprengstoff, Al-Bakr hingegen gelang die Flucht.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der syrische Flüchtling Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte. De Maizière sagte, Al-Bakrs Daten seien bereits im Jahr 2015 mit Daten der Sicherheitsbehörden abgeglichen worden, allerdings ohne Treffer. Unklar sei bislang, wann er sich radikalisiert habe.

Al-Bakr soll 2016 in der Türkei und Syrien gewesen sein

Medienberichten zufolge soll sich Jaber al-Bakr im Sommer mehrere Monate in der Türkei aufgehalten haben. Seine Familie bestätigte gegenüber dem MDR, er habe sich mindestens zweimal in der Türkei sowie einige Zeit in der syrischen Stadt Idlib aufgehalten. Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von seinem Aufenthalt in Idlib berichtet. Sie hätten den 22-Jährigen aber nicht als besonders religiös beschrieben. Nach seiner Rückkehr soll er sich jedoch verändert haben.

De Maizière sagte dazu, die Reisetätigkeiten des Mannes, "wie viele, wohin, warum, mit welchem Geld, mit welchen Reisedokumenten" seien Gegenstand von Ermittlungen. Spekuliert wird, ob sich Al-Bakr auch in einem syrischen Islamistencamp ausbilden ließ.

Zur Forderung aus der CSU nach Überprüfungen aller hier lebender Flüchtlinge durch die Geheimdienste sagte de Maizière, wenn es irgendeinen Anhalt für ein Sicherheitsproblem bei einem anerkannten Asylbewerber gebe, könne sofort gehandelt werden. Dies sei aus seiner Sicht der richtige Weg. Auch bei Sicherheitsbedenken während der Anhörungen in Asylverfahren würden die Nachrichtendienste eingeschaltet.