Drei Tage vor dem entscheidenden Treffen der Vorsitzenden der Koalitionparteien kommt Bewegung in die Präsidenten-Frage. Die Grünen brachten den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann als Staatsoberhaupt ins Gespräch. Parteichefin Simone Peter sagte der Saarbrücker Zeitung, nach ihrer Einschätzung sei er ein "geeigneter Kandidat". Die Entscheidung liege nun bei Kretschmann. Er führt in Baden-Württemberg ein Bündnis mit der CDU und wird dem Realo-Flügel seiner Partei zugerechnet. In vielen Fragen ist er mit der Parteilinken Peter uneins, etwa bei der Vermögensteuer.

Allerdings komme es auf die Gesamtkonstellation an, schränkte Peter ein. "Einen bloßen grünen Zählkandidaten wird es sicher nicht geben", sagte sie. Sie sei "skeptisch, ob die CSU, die sich gerade ein knallhartes Law-and-Order-Programm gegeben hat, einen grünen Kandidaten mittragen würde", betonte Peter. "Aber wir würden einen grünen Bundespräsidenten Kretschmann natürlich favorisieren".

Der 68-Jährige selbst hielt sich bedeckt: "Dass mein Name im Gespräch ist, ehrt mich natürlich. Aber ich strebe dieses Amt nicht an", sagte er in Stuttgart. Er sei als Ministerpräsident gewählt, die Legislaturperiode dauere bekanntlich fünf Jahre. "Das ist ein Amt, das ich gern ausführe und das ich auch ausfülle. Und ich habe auch den Eindruck, dass ich da durchaus gebraucht werde." Der einzige Grünen-Ministerpräsident war bereits im Sommer zu einem von vielen Spekulationen begleiteten vertraulichen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengekommen.

Fraktion weist Spekulationen über Katrin Göring-Eckart zurück

Medienberichte, wonach Merkel auch mit der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt über eine Kandidatur für das Bundespräsidentenamt gesprochen haben soll, wiesen die Grünen zurück. "Das ist Quatsch. Warum auch immer solche Spekulationen in die Welt gesetzt werden, es gilt: Katrin Göring-Eckardt will die Grünen in die Bundestagswahl führen", sagte ein Fraktionssprecher.

Peters Amtskollege Cem Özdemir sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es sei nicht ausgeschlossen, dass die Grünen einen eigenen Kandidaten aufstellen: "Das hängt davon ab, welche Vorschläge aus der Regierungskoalition kommen." Es müsse ein verbindender Kandidat sein, der in diese Zeit passe.

Mit einem von Merkel unterstützten Kandidaten der Grünen könnte die Union die Bestrebungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel unterlaufen, Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum nächsten Bundespräsidenten zu machen. Bisher hieß es allerdings, vor allem die CSU würde einen Kandidaten der Grünen nicht mittragen. Zudem würde dies als zu starkes Signal für eine schwarz-grüne Koalition für die Zeit nach der Bundestagswahl im September 2017 gewertet werden. Die SPD hält bislang an Steinmeier fest. Wenn es dabei bleibt, wird es in der Union für schwer vorstellbar gehalten, dass CDU und CSU als stärkste Kraft in der Bundesversammlung auf einen eigenen Kandidaten verzichten.

Bundespräsident Gauck hatte im Juni erklärt, aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin soll im Februar von der Bundesversammlung gewählt werden. Ein von schwarz-grün unterstützter Kandidat könnte eine Mehrheit im ersten oder zweiten Wahlgang erreichen.