In diese Reihe passt, dass die Grünen-Basis in Münster auch wieder Jürgen Trittin zujubelt, wenn er für eine Vermögenssteuer wirbt. "Ein Land, in dem Raucher doppelt so viel zum Steueraufkommen beitragen wie Vermögende, ist nicht gerecht", sagt der ehemalige Spitzenkandidat von 2013 in der Debatte – und bekommt dafür mehr Applaus als manch aktuelles Mitglied der Parteiführung. Vergessen scheint, dass Trittin nach der letzten Bundestagswahl den Fraktionsvorsitz abgegeben musste, weil ihm die Hauptschuld am überzogenen Steuerkonzept zugeschrieben wurde.

Aber auch Trittin ist inzwischen auf der Seite der Vorsichtigen angekommen: Das Vermögenssteuerkonzept der Fraktionsspitze, das er unterstützt und das die Abstimmung gewinnt, ist betont zurückhaltend formuliert.  So definiert es überhaupt nicht, für wen die Steuer künftig gelten soll, wer also aus Sicht der Grünen "superreich" ist. Dafür soll das Instrument "verfassungsfest, ergiebig und umsetzbar" sein, und zudem "Arbeitsplätze und auch die Innovationskraft von Unternehmen erhalten". Manche Realos unken, es sei unmöglich, eine solche Steuer "verfassungsfest" zusammenzustellen.

Kompromisslösung beim Ehegattensplitting

Die neue grüne Vermögenssteuer ist also erst mal nur eine Hülle, die es noch mit Inhalt zu füllen gilt. Neuer Streit ist damit absehbar, spätestens auf dem eigentlichen Programmparteitag der Grünen im Frühjahr. Angesichts dieser Tatsache fragen sich manche in Münster, warum man über ein solches Nichtinstrument stundenlang streiten musste.

Auch beim Ehegattensplitting zeigte sich der Parteitag kompromissbereit. Die Grünen glauben, dass der Steuervorteil für Verheiratete mit ungleichem Einkommen Frauen benachteiligt. Sie wollen das Splitting aber künftig nur für neue Ehen abschaffen und bereits geschlossene Ehen nicht antasten. Einkommen sollen künftig – wenn überhaupt – erst ab 100.000 Euro härter besteuert werden. Auch diese Beschlüsse werden wohlhabende Grünen-Wähler aufatmen lassen.

Die Grünen sind im Moment also vor allem sich selbst gegenüber unbequem. Was das Programm betrifft, sind sie nur so links, wie sie sein müssen. Und das ist vielleicht schon zu viel: CDU-Generalsekretär Peter Tauber lässt am Samstag jedenfalls schon mal per Interview ausrichten, dass eine Vermögenssteuer mit seiner Partei nicht durchsetzbar wäre.

Die SPD war ohnehin so schlau, sich über ihre Position zur Vermögenssteuer noch nicht ausführlich zu zerstreiten. Experten prüfen intern, wie man eine unternehmensfreundliche Variante hinbekommt. Nur die Grünen haben ihre Zweifel mal wieder der ganzen Welt exponiert – und das sogar in fünf Varianten.