EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat seinen deutschen Kommissar Günther Oettinger nach dessen "Schlitzaugen"-Rede zur Mäßigung aufgerufen. In einem Interview der belgischen Tageszeitung Le Soir machte Juncker deutlich, dass er den künftigen Haushaltskommissar aufgefordert habe, sich künftig nur noch zu Themen zu äußern, die etwas mit dessen Aufgabenbereich zu tun haben.

"Die Kommissare sollten sich bei öffentlichen Äußerungen darauf beschränken, Probleme anzusprechen, die etwas mit ihrem Portfolio zu tun haben, statt gewagten Eingebungen zu folgen", sagte Juncker. Dies habe er gegenüber Oettinger klargestellt.

Oettinger, der in der EU-Kommission aktuell für den Bereich digitale Wirtschaft zuständig ist, hatte in einer Rede in Hamburg unter anderem Chinesen als "Schlitzaugen" bezeichnet, von einer "Pflicht-Homo-Ehe" gesprochen und fragwürdige Äußerungen zur Frauenquote gemacht. Daraufhin sah er sich tagelang mit scharfer Kritik und Rücktrittsforderungen konfrontiert. Zu einer Entschuldigung kam es erst, nachdem es am Mittwoch ein Krisengespräch mit Juncker gegeben hatte.

Die Affäre hatte sogar seine Beförderung zum Haushaltskommissar der Europäischen Union überschattet. Künftige Kommissare müssen sich üblicherweise einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament stellen. Abgeordnete wie der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold hatten angekündigt, dass Oettinger eine "äußerst unangenehme Anhörung" bevorstünde, sollte er sich für seine Äußerungen nicht entschuldigen.