Eine (sexuelle) Beziehung vor der Ehe ist nahezu ausgeschlossen, weil dadurch die Ehre der Frau beschmutzt wird; eine Frau, die ihre Jungfräulichkeit nicht bewahrt, hat fast keine Chance, auf dem Heiratsmarkt fündig zu werden. Das erklärt auch, warum in der ländlich-traditionellen Bevölkerung häufig in sehr jungen Jahren geheiratet wird.

Ein weiterer Grund liegt darin, dass viele gar nicht oder nur bis zum zehnten, zwölften Lebensjahr die Schule besuchen. Und bei den jungen Mädchen spielt bei der frühen Verheiratung möglicherweise eine Rolle, dass die Eltern die Verantwortung für die Tochter an den Schwiegersohn abgeben wollen.

Der Bundesjustizminister handelt genau richtig

Aus der Logik der Eheschließung und dem Wert der Ehre wird deutlich, dass vom Phänomen der Kinderehen in erster Linie die Mädchen betroffen sind. Eine pauschale Aberkennung solcher Ehen ist aus unserer mitteleuropäischen Sicht zwar konsequent und trifft die Meinung des Mainstream. Aber der Schutz der Frauen wird damit außer Kraft gesetzt.

Das heißt, die Ehe, die das Mädchen in ihrem eigenen Herkunftsland geschlossen hat, fand unter anderen sozialen und rechtlichen Bedingungen statt. Deshalb müssen diese Ehen im Einzelfall gründlich geprüft werden. Und das nicht, um den Frauen zu schaden, sondern um sie zu schützen. Und wenn der Bundesjustizminister Heiko Maas mit seinem Gesetzesvorhaben in diese Richtung lenkt, dann handelt er genau richtig.

Anm. d. Red.: Der Titel dieses Artikels stammt nicht von unserem Autoren Ahmet Toprak. Er wurde - wie alle Titel über den Artikeln von ZEIT ONLINE - von der Redaktion gewählt. Inhaltlich ist er nicht falsch, da es in dem Text um die Beweggründe geht, die zu dem Konstrukt der Eheschließungen von Minderjährigen geführt hatten und haben. Aber er erweckt offenbar bei einigen Lesern den Eindruck, dass Herr Toprak ein Anhänger von Kinderehen sei, was natürlich nicht der Fall ist.