Laut unterschiedlichen Berichten in sozialen Medien ist der Chef der Grünen in Sachsen, Jürgen Kasek, auf dem Rückweg vom Urwahlforum der Grünen in Erfurt von Fans des Fußballclubs Lok Leipzig angegriffen worden. Demnach war Kasek zusammen mit zwei Parteifreundinnen – der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar und der Leipziger Kreisvorstandssprecherin Christin Melcher – gerade am Bahnhof Naumburg eingestiegen, als sie von den Hooligans erkannt und angepöbelt wurden.

Die Hooligans seien "extrem aggressiv" gewesen und hätten ihm unter anderem eine Flasche an den Kopf geworfen, schrieb Kasek auf Twitter. Die anwesende Polizei sei offenbar überfordert gewesen und habe schließlich die drei Grünen-Politiker des Zuges verwiesen.

Kasek ist in der Region als ausgesprochener Gegner der rechten Szene bekannt. Unter anderem zeigte er Pegida-Chef Lutz Bachmann wegen Volksverhetzung an und organisierte eine Demonstration gegen den Leipziger Pegida-Ableger. Erst vor einer Woche hatte Kasek auf Twitter einen Steckbrief veröffentlicht, den Unbekannte ihm zugespielt hatten. Der Absender schreibt ein "Kopfgeld" von 10.000 Euro auf Kasek aus – mit Angabe seiner Adresse und der Aufforderung ihm einen "Denkzettel" zu erteilen.

Kasek und Melcher berichteten auf Facebook, die Polizei habe sie gegen ihren Willen in das einzige Zugabteil gedrängt, in dem die Hooligans schon auf sie warteten.

"Der Schreck sitzt tief. Eine Beule wird bleiben", schrieb Kasek auf Facebook und kündigte an, Anzeige gegen die ihm teils namentlich bekannten Rechtsextremen zu erstatten. Er bedankte sich bei allen, die ihm und seinen Parteikolleginnen Hilfe angeboten hatten. "Unsere Stärke ist Solidarität und wir werden umso entschiedener gegen Hass und Neonazis vorgehen."

Die Bundespolizei teilte Spiegel Online auf Nachfrage mit, ihr sei ein Fall bekannt, der sich mit den von Kasek beschriebenen Örtlichkeiten decke. Man müsse den Sachverhalt nun aber prüfen und bewerten.