Die CSU hat auf ihrem Parteitag in München ihr mit strammen konservativen Parolen gespicktes neues Grundsatzprogramm beschlossen. Spott, Hohn und Kritik der linksliberalen Internet-Filterblase ließen nicht lang auf sich warten. "Völligen Realitätsverlust" diagnostizierte etwa der linke Abgeordnete Niema Movassat auf Twitter. "Die CSU trollt die ganze Republik", schrieb der Grüne Konstantin von Notz. Der Witz von dem "Horrorfilm", den Phoenix live aus München überträge, machte die Runde.

Schon vor dem Parteitag haben viele Kommentatoren die CSU in die Nähe der AfD gerückt. Und tatsächlich vergreift sich die Partei in letzter Zeit oft im Ton. Trotzdem haben die Christsozialen mit den Reaktionären von der AfD wenig gemeinsam. Es ist billig und gefährlich, sich auf diesem Niveau mit den Positionen aus Bayern auseinanderzusetzen.

"Wir wollen nicht, dass sich etwas ändert", sagte Horst Seehofer in seiner Grundsatzrede auf dem Parteitag. Deutschland müsse Deutschland bleiben. Das mag man weltfremd finden, hinterwäldlerisch oder kaltherzig. Aber es ist, genau wie der linksliberale Wunsch nach Veränderung, eine berechtigte Position im Wettbewerb der Ideen.

Was beim Vergleich mit der AfD oft übersehen wird, ist, dass die Rechtspopulisten im Unterschied zur CSU tief greifende Veränderungen anstreben. Die AfD greift die Grundlagen dieser Republik an und will den Rückbau aller gesellschaftlichen Errungenschaften. Sie will in Teilen die Westintegration revidieren: raus aus der Nato, raus aus der EU. Und sie will den Euro abschaffen und die offene Gesellschaft ins Autoritäre überführen. Die Uhren auf 1950 zurückdrehen, das wäre eine Revolution. Und revolutionär ist das Gegenteil dessen, wofür die CSU steht.

Das Wort völkisch wieder gesellschaftsfähig zu machen, das historisch verbrannte Lügenpresse wieder in den Diskurs einzuführen – all das würde keinem in der CSU über die Lippen kommen. Revisionismus, Revanchismus und Antisemitismus, wie sie in der AfD grassieren, haben hier keine Stimme. Die CSU warnt vor der "Linksfront" und dem politischen Islam. AfD-Anhänger hetzen gegen die "rot-grün-versiffte Republik". Hier liegt ein Unterschied zwischen hartem bajuwarischem Zungenschlag und ungezügeltem Hass-Ressentiment.
 

CSU-Parteitag - CSU-Chef Horst Seehofer versöhnlich gegenüber Merkel Auf dem CSU-Parteitag bemüht sich der bayerische Ministerpräsident um eine Annäherung an Bundeskanzlerin Merkel. Trotzdem greift er deren Flüchtlingspolitik scharf an. © Foto: Sven Hoppe/ dpa