Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) werden in diesem Jahr weniger als 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei eingehalten werde und Absprachen mit Griechenland und Italien verlässlich funktionierten, sagte Behördenchef Frank-Jürgen Weise MDR aktuell. "Dann bleiben wir doch ein ganzes Stück unter 300.000 Menschen."

Laut Weise hat das Bamf nach den neuen Schätzungen mittlerweile insgesamt ausreichend Personal zur Verfügung. Allerdings fehlten Spezialisten, etwa für das Erkennen gefälschter Pässe. In der Vergangenheit waren immer wieder personale Engpässe und daraus resultierende lange Wartezeiten und schlechte Bedingungen für Geflüchtete kritisiert worden.

Die Zahl der Entscheidungen über Asylanträge befindet sich nach Angaben des Bamf auf einem Rekordhoch. Bis Ende September 2016 wurde demnach über mehr als 450.000 Asylanträge entschieden, davon wurden fast 200.000 als Flüchtlinge anerkannt. Fast jeder vierte Antrag wurde abgelehnt.

Im vergangenen Jahr waren rund 890.000 Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Seit Schließung der sogenannten Balkanroute und dem EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei im Frühjahr 2016 sind die Zahlen deutlich gesunken. Bis Ende September kamen 213.000 Geflüchtete und Migranten in die Bundesrepublik. Hauptfluchtroute ist derzeit der Seeweg von Libyen nach Italien. Nach einem UN-Bericht sind in diesem Jahr mit mindestens 3.740 Menschen so viele Geflüchtete wie noch nie bei der Überfahrt über das Mittelmeer gestorben.  

Sinkende Zahlen entlasten Bundeshaushalt

Die sinkenden Flüchtlingszahlen haben auch Auswirkungen auf den Bundeshaushalt. Laut einem Bericht des Spiegel entfallen dadurch geplante Ausgaben von 450 Millionen Euro. Gegenüber seinen Etatplanungen vom Sommer könne Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) diesen Betrag bei den Flüchtlingskosten kürzen. Schäuble spare vor allem, weil er weniger Geld für Sozialtransfers für anerkannte Asylbewerber brauche.

Ein Drittel der Einsparungen will Schäuble dem Bericht zufolge dafür nutzen, ein Programm für die soziale Teilhabe älterer Langzeitarbeitsloser aufzustocken. Die Änderungen sollten in der kommenden Woche vom Haushaltsausschuss des Bundestags endgültig beschlossen werden. Insgesamt gebe der Bund im kommenden Jahr rund 22 Milliarden Euro für Geflüchtete aus.