Michael Müller ist zum neuen Regierungschef für Berlin gewählt worden. Im Abgeordnetenhaus der Hauptstadt stimmten 88 der anwesenden 158 Parlamentarier für ihn. Gegenkandidaten gab es nicht. 

Müller erhielt damit vier Stimmen weniger, als die von ihm geführte Koalition aus SPD, Linkspartei und Grünen im 160 Mitglieder großen Abgeordnetenhaus Mandate innehat. Die Opposition aus CDU und AfD dürfte sich in der geheimen Abstimmung mehrheitlich gegen Müller entschieden haben.

Im Anschluss wurde Müller vor dem Parlament vereidigt, er leistete den Amtseid mit dem Zusatz "so wahr mir Gott helfe". Im Laufe des Tages will Müller seine Senatoren ernennen und den nicht wieder Verpflichteten die Entlassungsurkunden überreichen, darunter auch dem bisherigen CDU-Innensenator Frank Henkel.

Vor der Abstimmung hatten Vertreter der rot-rot-grünen Koalition den Koalitionsvertrag unterzeichnet. Er umfasst 251 Seiten, die beteiligten Parteien hatten in den vergangenen Tagen auf Parteitagen und die Linke in einer Mitgliederbefragung abgestimmt. Die wichtigsten Schwerpunkte: Verkehrspolitik, Bildung und eine besser funktionierende Verwaltung. Viele Lehrer, Erzieher, Polizisten und Verwaltungsmitarbeiter sollen neu eingestellt werden.

Die rot-rot-grüne Koalition ist die erste derartige Landesregierung unter Führung der SPD. Bisher regiert in Thüringen ein Ministerpräsident der Linken mit SPD und Grünen zusammen. Obwohl die Verhältnisse im Land Berlin nicht ohne Weiteres auf die Bundesrepublik oder die Bundesebene übertragbar sind, gilt die Koalition auch als wegweisend für die Zeit nach der Bundestagswahl 2017. Vertreter der linken Parteien haben in den vergangenen Monaten verstärkt die Chancen auf eine solche Zusammenarbeit ausgelotet, mit der sie die CDU unter Kanzlerin Angela Merkel entmachten könnten. Offen ist, inwieweit sich die außenpolitischen Vorstellungen der Linken, die Auslandseinsätze der Bundeswehr kategorisch ablehnt, mit denen der anderen beiden Partner in Einklang bringen lassen.