Die Linke will mit Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf 2017 gehen. Das beschloss der Parteivorstand mit einer Gegenstimme, wie die beiden Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger mitteilten. Über die Spitzenkandidatur war in der Partei lange debattiert worden.

Wagenknecht und Bartsch seien Teil eines Spitzenteams, das den Wahlkampf organisiere. In diesem Team seien auch sie selbst, sagten Riexinger und Kipping. Als Ziel gaben sie ein zweistelliges Ergebnis bei der kommenden Bundestagswahl aus. 2013 hatte Die Linke 8,6 Prozent erhalten und war knapp vor den Grünen stärkste Oppositionspartei im Bundestag geworden.

"Wir freuen uns jetzt auf einen spannenden Wahlkampf, bei dem Die Linke hoffentlich mit einem guten Ergebnis sehr viele Menschen erreicht", sagte Wagenknecht. Es sei sehr wichtig, dass das Land sozialer werde. Das könne nur eine starke Linke erreichen. Bartsch sprach von einer "hervorragenden Voraussetzung" für den Wahlkampf.

Der Parteivorsitz formulierte zudem inhaltliche Schwerpunkte, auch wenn ein Wahlprogramm erst im Januar vorgestellt werden soll. "Wir stehen bereit für einen grundlegenden Politikwechsel", sagte Riexinger. Wichtig sei ein Bruch mit der neoliberalen Politik. Ziel seien auskömmliche Löhne, armutsfeste Renten, eine "Beendigung des Hartz-IV-Regimes" und ein Mindesteinkommen von 1.050 Euro. Zudem lehnte Riexinger erneut Auslandseinsätze der Bundeswehr kategorisch ab.

"Es gab keine Erpressung"

Im September diesen Jahres hatten Wagenknecht und Bartsch die Spitzenkandidatur für sich reklamiert und dadurch einige Parteikollegen verärgert. Die beiden Fraktionschefs sagten zudem, dass sie ein Quartett mit Kipping und Riexinger ablehnten. "Wir haben die Bewerbung zur Kenntnis genommen", sagte Kipping damals zum Vorstoß der Fraktionsvorsitzenden. Innerhalb der Partei wurde der Vorgang als Alleingang der Fraktionsvorsitzenden und als Affront gegen den Parteivorsitz gewertet.

Als sie nun Wagenknecht und Bartsch als Spitzenkandidaten nominierten, beschwichtigten Riexinger und Kipping. Die Parteivorsitzende räumte ein, dass es unterschiedliche Vorstellungen gegeben habe. "Wir haben gemeinsam gerungen und jetzt ein Ergebnis gefunden." Riexinger sagte, es dürfe nicht als Streit missinterpretiert werden, dass nur die Parteivorsitzenden Wagenknecht und Bartschs Nominierung vorstellten, ohne dass die Gekürten selbst anwesend waren.

Auch die Spitzenkandidaten selbst sagten, dass es keinen Streit gegeben habe. Wagenknecht sprach von einer "einvernehmlichen Lösung mit dem Vorstand". Der Vorstand habe die Entscheidung mit großer Einmütigkeit getroffen, sagte Bartsch. Es habe nur eine Gegenstimme gegeben. "Es gab weder von uns irgendeine Erpressung noch von anderen", sagte der Fraktionsvorsitzende.

Bartsch gilt als Verfechter einer rot-rot-grünen Koalition

Die 47-jährige Wagenknecht gehört zum linken Flügel der Partei. Sie war lange Zeit Wortführerin der Kommunistischen Plattform, ließ ihre Mitgliedschaft aber nach dem Aufstieg an die Parteispitze ruhen. Wagenknecht, die oft in Talkshows zu Gast ist, gilt als Kritikerin von Kanzlerin Angela Merkels (CDU) Flüchtlingspolitik. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warf ihr zuletzt im Bundestag Populismus und Nähe zu Donald Trump vor.

Der 58-jährige Bartsch vertritt hingegen den gemäßigten Flügel und wirbt für eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl. Für viele Sozialdemokraten ist er ein Hoffnungsträger. Sie sehen in Bartsch einen kompromissbereiten Pragmatiker.

Das Thema rot-rot-grüne Koalition wird derzeit innerhalb der Linken sowie in der SPD viel diskutiert. Am Donnerstag hatte sich Wagenknecht dazu mit SPD-Chef Sigmar Gabriel getroffen. Inhaltliche Einzelheiten aus dem Gespräch wurden nicht bekannt. Trotzdem wurde das Treffen genau beobachtet. Nur mit einer Koalition mit der Linken und den Grünen wäre es für die SPD voraussichtlich möglich, den Kanzler zu stellen. Nach aktuellen Umfragen hätte ein Rot-Grün-Bündnis keine Mehrheit.

Riexinger legte sich nicht fest, wie seine Partei zu der Frage steht. Neben der Nominierung der Spitzenkandidaten beschloss der Vorstand ein Strategiepapier, demzufolge die Linke keine Koalitionsaussage treffen soll. "Wir führen keinen Regierungswahlkampf, wir führen aber auch keinen reinen Oppositionswahlkampf", sagte Riexinger. Die einzige realistische Option für die Partei, an einer Regierung beteiligt zu sein, wäre eine Koalition mit der SPD.