Dass Konservative sich in der Merkel-CDU zunehmend marginalisiert fühlen, ist an sich nicht neu. Bereits seit 2012 gibt es den Berliner Kreis, der – anders als die neueren regionalen Zusammenschlüsse – sogar ein paar prominente Gesichter aufweisen kann. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach gehört dazu, die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach oder der frühere sächsische Kultusminister Steffen Flath. Große Durchschlagskraft entfaltete der Kreis jedoch nie. Es fehlten eine charismatische Führungsfigur genauso wie konkrete politische Projekte. Stattdessen haftete ihm der Ruch an, eine Runde der Ewiggestrigen zu sein. Jüngere Politiker, die in der CDU noch etwas werden wollen, wie etwa der thüringische Parteivorsitzende Mike Mohring, distanzierten sich.

Zumindest was ihre großen Rückabwicklungswünsche angeht, dürfte den neuen Konservativen ähnliche Erfolglosigkeit beschieden sein wie dem Berliner Kreis. Die Schlachten um die Wehrpflicht und den Atomausstieg oder die doppelte Staatsbürgerschaft sind geschlagen. Ein Rollback ist hier schon deswegen nicht möglich, weil es keinen Koalitionspartner gibt, mit dem die CDU das umsetzen könnte, selbst wenn sie es wollte.

Trotzdem könnte die konservative Basisbewegung die Diskussionen und die Meinungsbildung in der Partei längerfristig stärker beeinflussen, als das etwa der Berliner Kreis getan hat. "Wir erleben gerade, dass sich eine Stimmung organisatorisch verfestigt ", sagt der Berliner Politikwissenschaftler Oksar Niedermayer. Schon der Parteitag habe ja gezeigt, dass die CDU konservative Positionen wieder stärker akzentuieren wolle.

Anführer gesucht

Hinzu kommt, dass das absehbare Ende der Ära Merkel in den kommenden Jahren verstärkt dazu führen dürfte, dass Nachwuchspolitiker der Partei versuchen werden, sich zu profilieren, gerade in Abgrenzung zur langjährigen Kanzlerin. Einer, der in dieser Hinsicht in jüngster Zeit verstärkt auffiel, ist der 36-jährige Staatssekretär im Finanzministerium, Jens Spahn.

Doch auch andere Präsidiumsmitglieder, wie etwa die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner oder der baden-württembergische Landesvorsitzende Thomas Strobl haben sich zuletzt etwa bei den Themen Burkaverbot oder Abschiebungen immer wieder mit konservativen Positionen hervorgewagt. Die Chancen, dass sich auch auf Bundesebene Personen finden werden, die durch ein dezidiert konservatives Profil auffallen wollen, stehen derzeit also eher besser als noch vor ein paar Jahren.

Das konservative Profil ist nicht das Problem

Dass ein Rechtsruck die Partei stärken würde, wird von Experten allerdings bestritten. Zumindest solange Merkel an der Spitze stehe, sei das wenig glaubwürdig, sagt Niedermayer. Außerdem könnten Wähler abgeschreckt werden, die die Partei gerade wegen Merkel wählten. Meinungsforscher Manfred Güllner glaubt ebenfalls nicht, dass es das mangelnde konservative Profil ist, dass die CDU schwächt. Er hat untersucht, wo sich ehemalige CDU-Wähler selbst politisch verorten und hat festgestellt, dass diese sich auf einer Links-rechts-Skala sogar etwas mittiger einsortieren als die CDU-Stammwähler.

Die gefühlte Wahrheit an der CDU-Basis ist jedoch eine andere. Der Konservative Kreis in Mecklenburg-Vorpommern dürfte deswegen kaum die letzte derartige Gründung sein.