Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist tot. Nach Angaben ihrer Familie und des bayerischen Landesverbands der Liberalen starb sie im Alter von 95 Jahren. "Mit ihr verliert Deutschland eine große liberale Persönlichkeit", sagte FDP-Landeschef Albert Duin. Ob im Münchner Stadtrat, im Landtag oder im Bundestag, als Staatssekretärin oder Staatsministerin: In jedem ihrer Ämter habe sie sich für die Demokratie und die Chancen des Einzelnen starkgemacht.

Hamm-Brücher prägte die Politik der Liberalen und galt später als die Grande Dame der FDP. 1921 in Essen geboren, studierte sie nach dem Abitur Chemie in München und wurde 1945 promoviert. Nach den Nürnberger Gesetzen galt sie eigentlich als "Halbjüdin", wurde mit viel Glück aber zum Studium zugelassen. Dabei lernte sie auch den NS-Widerstandskreis Weiße Rose kennen. Nach dem Krieg arbeitete sie erst als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Neuen Zeitung in München. Von 1948 bis 1954 gehörte sie dem dortigen Stadtrat für die FDP an, von 1950 bis 1966 sowie von 1970 bis 1976 dem Bayerischen Landtag.

Bruch mit der FDP – nach 54 Jahren

In ihrer aktiven Zeit als Politikerin war Hamm-Brücher auch Bundestagsabgeordnete und unter dem damaligen SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt Staatsministerin im Auswärtigen Amt. 1994 trat sie als Kandidatin ihrer Partei für das Bundespräsidentenamt an.

2002 kam es dann zum Bruch mit ihrer Partei: Nach 54-jähriger Mitgliedschaft gab sie im Streit um eine als antiisraelisch wahrgenommene Kampagne des früheren Ministers Jürgen Möllemann ihr FDP-Parteibuch zurück.

"Eine herausragende Demokratin"

2010 dann rief Hamm-Brücher die Stiftung Münchner Bürgerpreis für Demokratie – gegen Vergessen" ins Leben. Gefördert werden damit Projekte junger Menschen, die sich beispielhaft für Demokratie und gegen rechtsextreme Tendenzen einsetzen. Hamm-Brücher war überzeugt, dass Deutschland aus seinen Irrtümern gelernt, aber noch nicht ausgelernt habe. "Der Auftrag, die 'sinnlose Tragik unserer Geschichte als Aufgabe zu begreifen und Bestes zu tun, um künftige Geschichte sinnvoller zu machen' bleibt gestellt." 

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Verstorbene als "klug, selbstständig und fair". In einem Kondolenzschreiben an die Tochter Hamm-Brüchers schreib er, "ihre Mutter stand wie kaum eine andere für einen Liberalismus, der sich für Bürgerrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur einsetzte" Bundeskanzlerin Merkel sprach von der Politikerin als "eine herausragende Demokratin – und eine der letzten politischen Akteurinnen, die unsere Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufgebaut haben".

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner würdigte das Lebenswerk der Münchnerin. Über Jahrzehnte habe sie sich mit besonderem Engagement für eine bessere Bildungspolitik eingesetzt. "Denn sie wusste, dass dies die beste Voraussetzung für faire Lebenschancen aller Menschen ist", sagte er in Berlin. "Ihre Standhaftigkeit und ihre persönliche Unabhängigkeit haben sie zu einer oftmals unbequemen Politikerin im besten Sinne gemacht. Dafür erlangte sie in der Bevölkerung besondere Anerkennung."