Bei Abschiebungen wird zudem eine mitunter mehrjährige Einreisesperre verhängt, dies ist bei einer freiwilligen Rückkehr zumeist nicht der Fall. Auch hier gilt allerdings: Wenn ein Asylantrag als "offensichtlich unbegründet" abgelehnt wurde, was bei fast allen Antragstellern aus sicheren Herkunftsländern der Fall ist, können auch bei einer freiwilligen Rückkehr Wiedereinreisesperren ausgesprochen werden.

Für den deutschen Staat ist die freiwillige Rückkehr im Vergleich zu einer Abschiebung dennoch die kostengünstigere Lösung. "Verschiedene verwaltungsinterne Erfahrungswerte zeigen deutlich, dass in den meisten Fällen eine geförderte freiwillige Rückkehr günstiger ist als eine zwangsweise Rückführung", heißt es aus dem Bundesinnenministerium. Auch die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke ist überzeugt: "Abschiebungen sind immer teurer als eine freiwillige Rückkehr, die unterstützt wird."

Dass Abschiebungen hohe Kosten verursachen, liegt vor allem an dem immensen Personalaufwand. In der Regel würden abgelehnte Asylbewerber von ein bis zwei Beamten auf dem Rückflug begleitet, sagt Jelpke. Bei einer Sammelabschiebung sind außer mehreren Polizisten zudem Dolmetscher und medizinisches Personal dabei. Geld kostet auch die Vorbereitung von Abschiebungen.

Abschiebungen sind dennoch notwendig

Erfolgt die Rückkehr in einer größeren Gruppe, für die eigens eine Maschine gechartert wurde, wird es noch teurer. Das Flugzeug, das unlängst 54 Afghanen in ihre Heimat zurückbrachte, musste beispielsweise für 299.000 Euro gechartert werden, hinzu kamen 15.500 US-Dollar für die Kriegsrisikoversicherung und weitere Gebühren. Bezahlt wurde dies allerdings von der EU-Grenzschutzorganisation Frontex, also nur anteilig vom deutschen Steuerzahler.

Aus diesen finanziellen Gründen ebenso wie aus humanitären Erwägungen spricht sich die Linken-Politikerin Jelpke grundsätzlich gegen erzwungene Abschiebungen aus. Auch die neue rot-rot-grüne Landesregierung in Berlin will auf Abschiebungen möglichst ganz verzichten. Anders beurteilt man das in Bayern und Baden-Württemberg. Dort sieht man vielmehr einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Abschiebungen und freiwilligen Rückreisen.

"2016 haben wir die Zahl der Abschiebungen im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich gesteigert, etwa um 50 Prozent", sagt der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) ZEIT ONLINE. "Das führt dann auch dazu, dass die freiwilligen Ausreisen deutlich nach oben gehen." Auch in Zukunft wird der Staat auf Abschiebungen wohl nicht verzichten können. Die bessere Lösung sind sie aber sicher nicht.