Hans-Christian Ströbele kandidiert nicht erneut für ein Amt im Bundestag. Das sagte der Grünen-Politiker vor Parteifreunden in seinem Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg. Der Grünen-Politiker ist seit 1998 Mitglied des Bundestages. 2013 holte er im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain zum vierten Mal ein Direktmandat – als bisher einziger Grüner konnte er überhaupt ein solches gewinnen.

"Ich möchte mir den Stress von nun noch mal insgesamt fünf Jahren nicht weiter antun", sagte Ströbele. Er wolle bis zum Ende der Legislaturperiode im Bundestag aktiv bleiben. "Ich habe noch viel vor", sagte er weiter. Während der Sitzungswochen habe er manchmal einen 15-Stunden-Tag. Aus der Politik wolle er sich jedoch nicht zurückziehen, das habe er auch seiner Basis gesagt.

Von 2002 bis 2009 war der 77-Jährige stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Heute ist Ströbele das dienstälteste Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) zur Kontrolle der Geheimdienste. In der Affäre um die Überwachung durch NSA und BND trat Ströbele vehement als Kritiker der Dienste in Erscheinung.

Verschiedene Grüne hatten in den vergangenen Wochen ihren Kollegen Ströbele gebeten, erneut zu kandidieren. Dann wäre er voraussichtlich Alterspräsident geworden, jetzt könnte es der AfD-Vizevorsitzende Alexander Gauland (75) werden. Der amtierende Alterspräsident, der CDU-Politiker Heinz Riesenhuber (80), will nicht erneut kandidieren.

2002 wäre es mit Ströbeles politischer Karriere fast vorbeigewesen: Nach vier Jahren im Bundestag verweigerte ihm seine Partei einen sicheren Listenplatz. Aber ihm gelang die Sensation: Ströbele gewann seinen Wahlkreis direkt. Geworben hatte er auch mit seiner entschlossenen Opposition gegen den damaligen Grünen-Außenminister Joschka Fischer. "Ströbele wählen heißt Fischer quälen", hieß sein Slogan. Vor allem die Beteiligung am Kosovo-Krieg nahm er Fischer und der rot-grünen Regierung unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder übel.

Der in Halle geborene und in Marl aufgewachsene Ströbele war einst bei der SPD. Als Anwalt verteidigte er RAF-Terroristen, bei der Gründung der taz und der Alternativen Liste in Berlin war er beteiligt.

Otto Schily, als SPD-Innenminister verantwortlich für umstrittene Sicherheitspakete, nennt Ströbele heute einen "Altersradikalen", einen "Fundamentalisten mit aberwitzigen politischen Positionen". Ströbele selbst macht aus seinen Überzeugungen kein Hehl: "Die Revolution, die ich wollte, haben wir leider nicht erreicht. Wir wollten die Räterepublik, nicht eine Demokratie, in der die Bürger nur alle vier Jahre gefragt werden."