Nach dem Anschlag in Berlin und dem Tod des mutmaßlichen Attentäters befürwortet eine Mehrheit der Deutschen eine verstärkte Videoüberwachung im öffentlichen Raum. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur sprachen sich 73 Prozent für eine Aufstockung der Polizeikräfte aus, 60 Prozent sind für mehr Videoüberwachung.

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz an der Berliner Gedächtniskirche wurde von der Polizei nicht mit Kameras observiert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte den Berliner Senat in der Bild am Sonntag deshalb auf, seine Haltung zur Videoüberwachung dringend zu überdenken. Der rot-rot-grüne Senat hatte angekündigt, die Videoüberwachung nicht ausweiten zu wollen. Und dabei bleibt die Landesregierung: Nach dem Anschlag sollten erst die Ermittlungen zu Ende geführt werden, sagte der Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD), Martin Pallgen, am Sonntag.

Der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche soll wie geplant bis zum 1. Januar geöffnet bleiben. Am 31. Dezember werde es noch einmal einen Gottesdienst geben, sagte Klaus-Jürgen Meier, der Vorstandsvorsitzende der AG City und Vertreter des Handels.

Weil der mutmaßliche Attentär Anis Amri als abgelehnter Asylbewerber und "Gefährder" aus dem Visier der deutschen Behörden verschwunden war, kommen aus der Politik vermehrt Rufe nach schärferen Gesetzen. Amris Abschiebung war gescheitert, weil er keinen Pass hatte.

De Maizière bestritt ein allgemeines Versagen der Sicherheitsbehörden. Er forderte stattdessen eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Tunesien und in andere nordafrikanische Staaten. Außerdem forderte er die Grünen auf, diese Einstufung im Bundesrat nicht weiter zu blockieren. CSU-Chef Horst Seehofer will nach einem möglichen Wahlsieg im Herbst 2017 eine Obergrenze für Asylbewerber einführen. In der Welt am Sonntag plädierte er erneut für eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen im Jahr.

Opfer des Anschlags sind identifiziert

Die Ermittlungen zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gehen auch an den Weihnachtsfeiertagen weiter. Unter anderem soll geklärt werden, ob der mutmaßliche Attentäter ein Unterstützernetzwerk, Mitwisser oder Gehilfen hatte. Der 2015 nach Deutschland gekommene Tunesier war nach Überzeugung der Ermittler der Mann, der mit einem gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt gerast war. Dabei starben 12 Menschen, 53 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Die Opfer des Anschlags sind inzwischen identifiziert. Unter den Toten sind laut Bundeskriminalamt sieben Deutsche sowie Menschen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer, israelischer sowie polnischer Staatsangehörigkeit.

In der tunesischen Stadt Kairouan haben Sicherheitskräfte drei Männer festgenommen, die mit dem mutmaßlichen Attentäter in Verbindung stehen sollen. Einer der Verdächtigen sei der Neffe Amris, teilte das Innenministerium in Tunis mit. Der Neffe soll gestanden haben, dass er mit dem mutmaßlichen Attentäter über eine Nachrichtenapp in Kontakt gestanden habe. Sein Onkel habe gewollt, dass er der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue schwöre.