Bundeskanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras haben sich bei ihrem Treffen am Freitag auch über den Freiburger Mordfall ausgetauscht. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte der Nachrichtenagentur AFP einen entsprechenden Bericht der Bild am Sonntag. Demnach vereinbarten die beiden einen besseren Datenaustausch über möglicherweise straffällig gewordene Flüchtlinge, die über Griechenland in Richtung Deutschland einreisen.

Tsipras habe bei dem Treffen zugesichert, "rasch Daten über ehemalige Strafgefangene zu liefern, die eventuell über die Balkanroute nach Deutschland gekommen sind", berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin. Ziel sei es, den deutschen Sicherheitsbehörden "eine erhebliche Anzahl personenbezogener Daten zu übermitteln, um sie in die Lage zu versetzen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen". Laut einem Sprecher des Innenministeriums wird Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Januar weitere Gespräche mit seinem griechischen Amtskollegen Panagiotis Kouroumblis führen.

Im Fall der im Oktober vergewaltigten und ermordeten Studentin Maria L. aus Freiburg sitzt ein afghanischer Flüchtling in Untersuchungshaft. Der Verdächtige hatte sich Ende 2015 in Deutschland als Asylsuchender registrieren lassen. Einige Wochen zuvor war er vorzeitig aus griechischer Haft entlassen worden, die er wegen versuchten Mordes an einer Frau 2013 verbüßte.

Weil er in der Folge gegen Melde- und Bewährungsauflagen verstieß, hatten ihn die griechische Sicherheitsbehörden national zur Fahndung ausgeschrieben. Ein internationales Fahndungsersuchen, das die deutsche Polizei bei dessen Antragstellung in der Bundesrepublik hätte alarmieren können, gab es aber nicht. De Maizière (CDU) hatte die griechischen Behörden deshalb scharf kritisiert und von einem "sehr ärgerlichen Vorgang" gesprochen. Das griechische Bürgerschutz- und das Justizministerium hatte vor einigen Tagen reagiert und bekannt gegeben, dass die Fingerabdrücke und die Personalien des Mannes im europäischen Eurodac-System seit seiner Ankunft in Griechenland im Jahr 2013 eingespeichert gewesen seien.

Auf das Eurodac-System, die Europäische Datenbank zur Speicherung von Fingerabdrücken, haben auch deutsche Behörden Zugriff. In dem Programm werden Fingerabdrücke und weitere Daten von Flüchtlingen gespeichert, um zu vermeiden, dass sie in mehreren EU-Ländern einen Asylantrag stellen. "Diese Daten waren allen europäischen Sicherheitsbehörden zugänglich", hieß es.