Nach dem Anschlag in Berlin sind die meisten Bundesbürger für eine stärkere Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 53 Prozent für ein stärkeres Engagement aus, 30 Prozent dagegen.

Zugleich ist nur jeder Dritte dafür, dass die Bundeswehr auch Stellungen des IS in Syrien und im Irak selbst bombardiert. Knapp die Hälfte ist dagegen. Bisher beteiligt sich Deutschland mit Aufklärungsflügen, Waffenlieferungen und Ausbildung am Kampf gegen den IS.

Vor einem Jahr – kurz nach den Anschlägen in Paris – waren nur etwas mehr als ein Drittel der Meinung, Deutschland müsse mehr im Kampf gegen den IS tun. Fast jeder Zweite war dagegen. Die deutsche Beteiligung am Kampf gegen den IS hat sich seitdem nicht wesentlich verändert.

Deutschland ist Teil der internationalen Koalition gegen den IS und unterstützt die Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien und im Irak seit einem Jahr mit sechs Tornado-Aufklärungsjets und einem Tankflugzeug. Die Tornados waren seit Anfang Januar fast 700 Mal im Einsatz, das Tankflugzeug startete 315 Mal. Zudem gehörten Bundeswehrsoldaten bei zehn Nato-Aufklärungsflügen zur Besatzung von Awacs-Flugzeugen.

Koalitionspolitiker für mehr Waffenlieferungen

Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer im Nordirak aus und liefert ihnen Waffen. Auch Länder wie Jordanien, Tunesien, Mali, Niger und Nigeria erhalten Ausrüstungshilfe. Koalitionspolitiker sprachen sich dafür aus, Partnerstaaten in Krisengebieten stärker mit militärischer Ausrüstung zu unterstützen, damit sie selbst für Sicherheit und Stabilität in ihrer Region sorgen können. "An der Stelle könnte man noch mehr tun", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold.

Ähnlich äußerte sich sein Unionskollege Henning Otte: "Wir müssen die Länder selber in die Lage versetzen, für mehr Stabilität und Sicherheit zu sorgen." Der CDU-Politiker plädierte dafür, den Kampf gegen den IS "nicht mit Aktivismus, sondern kontrolliert und überlegt" zu führen. Dass deutsche Kampfjets Bomben auf IS-Stellungen abwerfen, werde von den Nato-Partnern gar nicht verlangt.

Dagegen wandte sich der Linke-Politiker Alexander Neu gegen eine weitere militärische Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen den IS. Stattdessen müssten sich alle Anstrengungen darauf richten, die finanzielle, materielle oder personelle Unterstützung für den IS zu kappen.

Deutschland im "Krieg gegen den Terror"?

Die Terrormiliz hatte sich zu dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt bekannt und ein Video veröffentlicht, in dem der mutmaßliche Attentäter Anis Amri der Terrororganisation die Treue schwört. Es ist aber bis heute nicht abschließend geklärt, ob der IS tatsächlich hinter dem Anschlag steckt.

Auch die Anschläge in Ansbach und Würzburg im Sommer hatte der IS für sich reklamiert. Als erster vom IS in Auftrag gegebener Anschlag in Deutschland gilt die Messerattacke einer 15-Jährigen Deutsch-Marokkanerin auf einen Bundespolizisten in Hannover im Februar 2016.

Bei der Frage, ob sich Deutschland nach den Anschlägen in einem "Krieg gegen den Terror" befindet, ist die Bevölkerung gespalten. 43 Prozent würden den derzeitigen Zustand laut YouGov-Umfrage so nennen, 44 Prozent weisen diese Einschätzung zurück.