Warum konnte der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt nicht verhindert werden, obwohl Anis Amri den Behörden bis hin zum Terrorabwehrzentrum bekannt war? Der Umgang der Behörden mit dem Fall werde aufgearbeitet, sagte Justizminister Heiko Maas (SPD) in der ZDF-Sendung Maybrit Illner: "Es kann sich nach dem, was da geschehen ist, und nach dem, was man mittlerweile weiß, niemand hinsetzen und sagen, es sind keine Fehler gemacht worden." In den nächsten Tagen werde es einen Bericht aller beteiligten Behörden geben, "in dem sehr exakt noch einmal dargestellt wird, wer hat wann was gemacht und was entschieden", kündigte der Minister an.

Maas verteidigte die von ihm und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeschlagenen Verschärfungen im Umgang mit Terrorverdächtigen. Nach dem Anschlag in Berlin sei es notwendig gewesen zu schauen, "ob es gesetzliche Grundlagen gibt, die Behörden auch daran gehindert haben, etwas zu tun". So gebe es bislang "keinen eigenen Haftgrund für Gefährder". Das werde jetzt geändert. Dauernd nach Gesetzesverschärfungen zu rufen sei ebenso falsch wie diese von vornherein auszuschließen, sagte Maas. Gefunden werden müsse "eine vernünftige Mitte".

Maas und de Maizière wollen an der gesetzlichen Höchstdauer der Abschiebehaft von 18 Monaten festhalten. Der stellvertretende CDU-Chef Thomas Strobl forderte eine unbeschränkte Abschiebehaft für Gefährder und Kriminelle. Strobl, der Innenminister in Baden-Württemberg ist, sagte der Zeitung Die Welt: "Wer seine Identität verschleiert und täuscht, wer kriminell ist, wer in der Gefährderszene unterwegs ist, muss sofort aus dem Asylverfahren herausgenommen werden. Ende und Aus. Bis zur Ausreise müssen diese Leute in Abschiebehaft." Auf die Frage, ob die gesetzliche Befristung fallen soll, antwortete er: "Ganz klares Ja." 

Täter mit 14 Identitäten

Amri soll in der salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen eng vernetzt gewesen sein. Der Tunesier war von den Behörden als islamistischer Gefährder eingestuft und in Berlin monatelang durch die Polizei überwacht worden. Nach Beendigung der Observierung konnte er mehrere Wochen vor dem Attentat untertauchen. In Deutschland war Amri unter mindestens 14 falschen Namen aufgetreten, sein Fall war allein sieben Mal Thema im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum (GTAZ) von Bund und Ländern in Berlin. Konkrete Anschlagspläne konnten die Sicherheitsbehörden ihm jedoch nicht nachweisen. Zudem scheiterte die Abschiebung des abgelehnten Asylbewerbers Amri an fehlenden Papieren aus Tunesien.

Bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche waren am 19. Dezember zwölf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Amri soll einen zuvor gekaperten Lastwagen in Besucher des Weihnachtsmarkts gesteuert haben. Der Tunesier wurde nach mehrtägiger Flucht am 23. Dezember bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen.