Unangenehme Nachrichten für die frisch ins Amt eingeführte Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Jutta Cordt: Einem Medienbericht zufolge sind in ihrer Behörde mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, die nur unzureichende Qualifikationen haben. Das Amt bestätigte dem MDR, dass 130 sogenannte Entscheider nicht über die nötigen Studienabschlüsse verfügen. Entscheider befinden darüber, ob ein Flüchtling als Asylbewerber anerkannt wird oder nicht.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsankünfte im Jahr 2015 hatte die Behörde massiv Mitarbeiter eingestellt; die fehlende Qualifikation sei ihr allerdings erst jetzt aufgefallen – bei einer internen Überprüfung der Arbeitsverträge. Ein Bamf-Sprecher sagte dem Sender, bei der Anstellung sei "aufgrund der hohen Zahl an Einstellungen" nicht immer geprüft worden, ob ein "verwaltungsnaher Abschluss" vorliege. Die Verträge der betroffenen Mitarbeiter des gehobenen Dienstes sollen demnach nicht verlängert werden. Laut Bamf klagt etwa die Hälfte von ihnen gegen ihre drohende Entlassung.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg kritisierte, das sei ein verheerendes Signal. Es könnten doch keine Grundrechtsentscheidungen zu Asylverfahren getroffen werden und gleichzeitig müsse eingeräumt werden, dass die beteiligten Mitarbeiter in den Behörden dafür nicht qualifiziert seien, zitiert der Sender die Abgeordnete. Die Organisation ProAsyl forderte eine erneute Überprüfung der betroffenen Asylverfahren. Sie werde betroffene Flüchtlinge darin unterstützen, juristisch gegen das Bamf vorzugehen. Die Behörde selbst kann dem Sender zufolge bislang nicht abschätzen, ob die betroffenen Asyl-Entscheidungen rechtssicher sind.

Cordt kündigt Überprüfung sicherheitsrelevanter Asylverfahren an

In einem anderen Zusammenhang soll es Überprüfungen von Asylverfahren geben. Behördenchefin Cordt, die bislang Vize-Chefin des Bamfs war, kündigte an, bei begründeten Zweifeln an der Identität von Flüchtlingen abgeschlossene Asylverfahren erneut zu überprüfen. "Man kann nicht ohne Grund ein Verfahren wieder aufnehmen", sagte Cordt. Das sei in einem Rechtsstaat nicht möglich. "Sobald jedoch Anhaltspunkte auf sicherheitsrelevante Aspekte da sind, werden wir diese Verfahren wieder aufnehmen", sagte Cordt.

Wie viele Fälle dies sein könnten, könne sie nicht sagen: "Hier müssen wir uns auf die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden verlassen." Zahlreiche Politiker hatten zuletzt eine effektivere Überprüfung von Asylbewerbern gefordert, etwa um Mehrfachidentitäten und Sozialbetrug zu verhindern.

Der Berliner Attentäter Anis Amri war in Deutschland mit mindestens 14 verschiedenen Identitäten unterwegs; zudem gab es Berichte, dass einige Flüchtlinge sich mit unterschiedlichen Identitäten mehrfach Sozialleistungen erschleichen.