Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) ist neuer deutscher Außenminister. Bundespräsident Joachim Gauck übergab Gabriel im Schloss Bellevue die Ernennungsurkunde. Die erste Auslandsreise wird den scheidenden SPD-Chef am Samstag nach Paris führen. Dort wird er mit seinem Amtskollegen Jean-Marc Ayrault über Europapolitik und internationale Fragen sprechen.

Außerdem sei "so schnell wie möglich" ein Kennenlernen mit dem neuen US-Außenminister Rex Tillerson geplant, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Einen Bericht des Handelsblatts, wonach Gabriel schon am Mittwoch in die USA reisen werde und neben Gesprächen mit Tillerson und Vizepräsident Mike Pence auch die Vereinten Nationen in New York besuchen wolle, konnte er nicht bestätigen. Dafür sei es zu früh, hieß es. Tillerson müsse erst im Amt sein, was wohl irgendwann im Laufe der nächsten Woche der Fall sein werde.

Der Austausch mit den USA werde zudem durch die Rücktritte in der Führungsebene des Außenministeriums erschwert, sagte der Sprecher. "Im State Department gibt es gar nicht mehr viele, mit denen wir jetzt noch sprechen könnten."

Würdigung für Steinmeier

Gabriel, der bisher Wirtschaftsminister war, folgt auf Frank-Walter Steinmeier (SPD), der am 12. Februar zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden soll. Bundespräsident Gauck würdigte die Verdienste Steinmeiers und Gabriels in ihren bisherigen Ämtern. "Der Name Steinmeier steht für Unermüdlichkeit, dafür, weiter zu verhandeln, zu vermitteln und zu überzeugen."

An Gabriel gewandt sagte er: "Sie übernehmen das Außenamt in schwierigen Zeiten. Es geht um viel: Wir stehen vor der Herausforderung, die Europäische Union und die transatlantische Partnerschaft zu verteidigen und zukunftsfest zu machen. Ich wünsche Ihnen für diese Aufgabe Glück und gutes Gelingen."

Frau an der Spitze des Wirtschaftsministeriums

Neue Wirtschaftsministerin wird Gabriels bisherige Parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries, die als neues Mitglied im Kabinett am Freitag im Bundestag ihren Amtseid leistete. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Wirtschaftsministeriums.

In ihrer ersten Rede vor dem Bundestag machte sich Zypries für den Freihandel stark und kritisierte US-Präsident Donald Trump. In einer globalisierten Welt könne "der Bau von Mauern keine Antwort sein", sagte sie mit Blick auf die von Trump geplante Mauer an der US-Grenze zu Mexiko.  Die deutsche Volkswirtschaft hänge fundamental von internationalen Vernetzungen und einem guten Marktzugang ab, sagte Zypries: "Wer, wenn nicht wir, muss deshalb für fairen und freien Handel einstehen?"

Die SPD-Politikerin hat jahrelange Regierungserfahrung: Sie war bereits von 2002 bis 2009 Bundesministerin der Justiz, zunächst unter Rot-Grün und dann in der ersten großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach der Bundestagswahl 2013 bekam Zypries den Posten der Parlamentarischen Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. Die 63-jährige Juristin sitzt seit 2005 im Bundestag.

FDP findet Situation "gefährlich"

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner kritisierte die Kabinettsumbildung und bezeichnete sie als "ein gefährliches Signal für Deutschlands Wohlstand". Die Veränderungen wenige Monate vor der Bundestagswahl schwächten Deutschlands Handlungsfähigkeit "in einer kritischen Zeit", sagte Lindner der Nachrichtenagentur dpa. Das Wirtschaftsressort werde von Zypries "nur noch pro forma verwaltet", so FDP-Chef.

Mit Gabriel wandert das Amt des Vizekanzlers zurück ins Auswärtige Amt. In der Vergangenheit waren fast immer die Außenminister zugleich die stellvertretenden Regierungschefs – Gabriel hatte sich 2013 aber bewusst für das Wirtschaftsressort entschieden. Der 57-Jährige gibt im März das Amt als SPD-Chef ab. Nachfolger soll der designierte Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, Martin Schulz, werden.