Erika Steinbach, ehemalige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und Bundestagsabgeordnete, will aus der CDU austreten. Der Welt am Sonntag sagte sie: "Würde ich aktuell CDU wählen? Nein. Würde ich heutzutage gar in die CDU eintreten? Nein. Daraus kann ich nur die ehrliche Schlussfolgerung ziehen, die CDU zu verlassen."

Seit 1974 gehört sie der konservativen Partei an. Ihren Posten als Bundestagsabgeordnete will Steinbach jedoch nicht aufgeben. Als Grund gab sie an, weiterhin diejenigen vertreten zu wollen, die "mit der praktisch über Nacht eingeleiteten Migrationspolitik" hadern. Steinbach kritisiert Angela Merkels Flüchtlingspolitik und unterstellte der Bundesregierung in der Welt am Sonntag, mit Absicht illegalisierte Migration nach Deutschland zu begünstigen.

Die CDU-Politikerin kritisierte auch die Energie- und Finanzpolitik der Kanzlerin. Über ihren Kollegen und Vorsitzenden der Unionsfraktion, Volker Kauder, sagte sie, er verstehe sich "als Vollzugsbeamter der Kanzlerin".

Die 73-Jährige, die im ZDF-Fernsehrat sitzt und in der Unionsfraktion Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe ist, sieht die CDU nicht mehr genug an konservativen Werten orientiert. Die Programmatik der Partei sei geändert worden, "das konservative Element ist Schritt um Schritt gezielt marginalisiert, ja stigmatisiert worden".

Steinbach kritisierte nicht nur ihre bisherige Partei, sondern sprach anerkennend über die AfD. Die CDU habe sich einem linken Zeitgeist angepasst und ihr Alleinstellungsmerkmal aufgegeben. "Die AfD greift heute Themen auf, die in den vergangenen Jahren defizitär geworden sind. Und: sie ist auch Fleisch vom Fleisch der CDU!"

Steinbach will nicht in die AfD eintreten

In die AfD eintreten wolle sie momentan nicht. "Aber ich hoffe, dass die AfD in den Bundestag einzieht, damit es dort endlich wieder eine Opposition gibt. Nur so bleibt die Demokratie lebendig", sagte Steinbach.

Der hessische CDU-Landesverband hat Steinbachs Parteiaustritt als absehbar bezeichnet. Er bedauere, dass jemand, der sich so große Verdienste um die Heimatvertriebenen erworben habe, sich auf diese Art und Weise aus der CDU verabschiede, sagte Generalsekretär Manfred Pentz. Die Vorwürfe, die Steinbach erhebe, seien haltlos und maßlos. "Es wäre konsequent, wenn sie nun auch ihr Bundestagsmandat niederlegt, das sie über die CDU geholt und der Partei zu verdanken hat." Seit 1990 vertritt Steinbach den Wahlkreis Frankfurt am Main II im Bundestag.

In der AfD wurde Steinbachs Austritt aus der CDU begrüßt. Konservative Ex-CDU-Politiker seien in der AfD immer herzlich willkommen, schrieb die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch auf Twitter.

Grünen-Politiker sowie Kollegen aus der eigenen Partei hatten Steinbach wiederholt für ihre Tweets kritisiert und warfen ihr unter anderem Rassismus vor.