In der Debatte über den Kölner Polizeieinsatz in der Silvesternacht hat Grünen-Chef Cem Özdemir Vermutungen über einen Bruch mit seiner Co-Chefin Simone Peter zurückgewiesen. Peter war massiver Kritik – auch aus den eigenen Reihen – ausgesetzt, nachdem sie die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes infrage gestellt hatte.

Im ZDF-Morgenmagazin sagte Özdemir, der zum Realo-Flügel zählt, die Partei solidarisiere sich mit Peter. Sie hatte in einem Interview gesagt, es stelle sich die Frage "nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, wenn insgesamt knapp tausend Personen allein aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden". 

Daraufhin sah sich Peter, die der Parteilinken zugerechnet wird, massiven Anfeindungen ausgesetzt. So hatte die Bild-Zeitung neben einem Foto von Peter getitelt "dumm, dümmer" und sie als "grün-fundamentalistische realitätsfremde Intensivschwätzerin" bezeichnet. Nach eigenen Angaben erhielt Peter über Social Media frauenfeindliche und rassistische Kommentare. Der Süddeutschen Zeitung sagte sie, "das ging von Verleumdung bis Gaskammer". 

Özdemir sagte dazu, "ich finde diese Kampagne der Bild-Zeitung und von anderen richtig bescheuert und übel". Zugleich sagte er, in der Sache sei er sich mit Simone Peter einig: "Der Kölner Polizeieinsatz war angemessen, und er war notwendig."

Zuvor war Özdemir auf Distanz zu Peter gegangen. Auch die Innenexpertin der Grünen, Irene Mihalic, und Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatten Peters Kritik an dem Einsatz zurückgewiesen. Bei Twitter schrieb Göring-Eckardt sogar von "sinnlosen Debatten".

Die Polizei hatte in der Silvesternacht in Köln Hunderte junge Männer aus Nordafrika kontrolliert, da von ihnen eine "Grundaggressivität" ausgegangen sei. Daraufhin wurde unter anderem von Amnesty International Fragen laut, ob es sich um ethnic oder racial profiling gehandelt habe, also ob die Polizei allein aufgrund ethnischer Merkmale gegen sie vorgegangen sei. Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies verteidigte den Einsatz und sagte, die Polizei habe die Männer wegen ihres Verhaltens kontrolliert.

"Ich weiß, was ethnic profiling ist"

Özdemir sagte, er wisse genau, was ethnic profiling sei. Der Politiker mit türkischen Wurzeln sagte, er sei früher oft im Zug "als Einziger kontrolliert worden". Das sei aber nichts anderes als "bei jedem Fußballspiel, wenn Hooligans kontrolliert werden". Das sei der Job der Polizei, und den habe sie "richtig und gut gemacht".

Zu dem von der Polizei in der Silvesternacht im Internetdienst Twitter verwendeten Begriff "Nafris", eine polizeiinterne Bezeichnung für nordafrikanische Intensivtäter, sagte Özdemir, dieser Tweet sei "dämlich" und "unnötig" gewesen. Das habe die Polizei auch selbst eingeräumt. "Und damit ist die Sache aber auch erledigt", sagte er. Peter hatte den Begriff scharf kritisiert.