Der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wirbt seit längerem für eine Annäherung im Sanktionsstreit mit Russland. Jetzt will er offenbar erreichen, dass das EU-Einreiseverbot für seinen Amtskollegen Alexander Tkatschjow umgangen wird. Mit einem diplomatischen Trick.

Tkatschjow wird, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland meldet, am 22. Januar zu Gast im Auswärtigen Amt sein. Dafür stuft die Bundesregierung das für diesen Tag einberufene G20-Agrarministertreffen wie eine Tagung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ein. Laut EU-Ratsbeschluss gelten für diese Treffen eingeschränkte Einreisemöglichkeiten. Deutschland hat derzeit in der OSZE den Vorsitz inne.

Laut Einladungsschreiben soll es bei dem Treffen um Fragen der Agrarpolitik und der Ernährungssicherung gehen. Das Landwirtschaftsministerium sicherte dem Zeitungsbericht zufolge dem russischen Minister schriftlich die Kostenübernahme "für Sie und eine fachliche Begleitperson" für zwei Übernachtungen zu.

Ein Besuch der Internationalen Grünen Woche, die zwischen dem 20. und 29. Januar 2017 in Berlin stattfindet, sei aber ausgeschlossen. Laut dem Medienbericht hat das Auswärtige Amt Tkatschjow ausschließlich eine Teilnahme an der G20-Runde und, "sofern gewünscht", ein bilaterales Gespräch mit seinem deutschen Kollegen "ohne Pressemitteilung" genehmigt.

Die EU hatte die Sanktion nach der russischen Annexion der Krim verhängt. Als Reaktion hatte Russland einen Importstopp für EU-Agrarprodukte verhängt, der allein deutsche Bauern jährlich rund eine Milliarde Euro kostet.