Der Spitzenkandidat der Linkspartei im Bundestagswahlkampf, Dietmar Bartsch, hält es nicht für grundsätzlich problematisch, Personen mit Stasibiografie in hohe Staatsämter zu berufen. "Spätestens seit der Zeit, als der SPD-Politiker Manfred Stolpe als Ministerpräsident und Bundesminister mit Stasivorwürfen konfrontiert war, kann und sollte man solche Diskussionen anders führen", sagte der Linken-Fraktionschef im Bundestag den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Nachfolgepartei der SED habe sich wie keine andere Partei umfangreich und selbstkritisch mit der eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt. Er plädiere nicht dafür, Schlussstriche zu ziehen, sagte Bartsch. "Aber ich möchte, dass man die Biografien von Personen differenziert bewertet."

Der rot-rot-grüne Senat in Berlin war wegen der Stasivergangenheit des inzwischen zurückgetretenen Staatssekretärs Andrej Holm unter Druck geraten. "In der Causa Andrej Holm haben sich einige Beteiligte nicht mit Ruhm bekleckert", sagte Bartsch. Das sei kein guter Start der Koalition gewesen. Die Biografie des von der Linkspartei nominierten Holm sei aber bekannt gewesen. "Ich hätte erwartet, dass man Fragen dazu zwischen den Koalitionspartnern beredet," sagte der Linke.

Bartsch sagte, er bezeichne die DDR nicht pauschal als Unrechtsstaat. "Dass es in der DDR schlimmes Unrecht und Opfer dessen gegeben hat, ist unstrittig. Ebenso unstrittig ist, dass es in der DDR auch rechtsstaatliche Bereiche gegeben hat", sagte er. "Deswegen wende ich den Begriff Unrechtsstaat auf die DDR nicht an. Er ist kein Argument, sondern eine Keule."