In den vergangenen Jahren zeigten Fotos den ursprünglich so wuchtig-vitalen Roman Herzog bereits als einen eher zarten, zerbrechlichen, ganz hageren Mann. Nun ist der frühere Bundespräsident, der von 1994 bis 1999 an der Spitze unseres Staates stand, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Der eminente Staatsrechtler – er gehörte zu den Mitautoren des kanonischen Grundgesetzkommentars Maunz-Dürig-Herzog e.a. – war irgendwie zu stark und wirkungsbewusst nur für das Katheder, weshalb es ihn in die praktische Politik zog.

Zunächst wirkte der CDU-Politiker Herzog als Kultus-, dann Innenminister des Landes Baden-Württemberg. Zuvor war er als Staatssekretär in der Landesregierung Rheinland-Pfalz unter Helmut Kohl tätig. Aus der Exekutive zog Herzog 1983 als Vizepräsident in das Bundesverfassungsgericht, die Judikative, ein, wo er 1987 zum Präsidenten aufrückte.

Er war merkwürdigerweise nicht die erste Wahl

So plausibel es war, dass er 1994 für die Union zur Wahl des Bundespräsident antrat: Herzog war (merkwürdigerweise) nicht die erste Wahl Helmut Kohls gewesen. Der hatte nämlich zunächst den ostdeutschen Steffen Heitmann auf den Schild gehoben, einen wenig ausgewiesenen sächsischen Landespolitiker, der sich bereits mit seinen allerersten Äußerungen völlig unmöglich machte und entnervt gegen den Widerstand Kohls aufgab. Welche Ironie, dass Herzog sein höchstes Amt einer absurden Posse seines ursprünglichen Entdeckers Kohl verdankte!

Was wird vom Bundespräsidenten Herzog in Erinnerung bleiben? Sicherlich seine Berliner "Ruckrede", über die sich damals die politische Klasse, die sich ja, solange es für sie bequem bleibt, immer politische Führung vom Präsidenten wünscht, völlig zu Unrecht lustig machte: Er hatte ja so Recht gehabt...