Bundestagspräsident Norbert Lammert hat dem scheidenden SPD-Chef Sigmar Gabriel für seine Entscheidung, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten und den SPD-Vorsitz aufzugeben, Respekt gezollt. "Das kann Ihnen nicht ganz leicht gefallen sein", sagte er im Parlament zu Gabriel. "Und weil diese Entscheidung einige Kritik und manche Häme nach sich gezogen hat, will ich Ihnen ausdrücklich zu der Souveränität gratulieren, mit der Sie sie getroffen haben."

Gabriel zeigte sich "berührt" von Lammerts Worten. "Manchmal ist man irritiert, wie viele Leute klatschen, wenn man zurücktritt", sagte er. Er fügte allerdings hinzu: "Eine gewisse Erlösung ist auch zu spüren – auf beiden Seiten."

Gabriel gab im Bundestag eine Regierungserklärung zur weiteren Wirtschaftsentwicklung ab. Es war sein letzter großer Termin als Bundeswirtschaftsminister. Bereits am Freitag will Gabriel die Nachfolge von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) antreten, der am 12. Februar zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden soll. Den SPD-Vorsitz soll der frühere EU-Parlamentspräsident Martin Schulz übernehmen, der auch SPD-Kanzlerkandidat werden soll. Das Wirtschaftsressort soll künftig die einstige Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) führen.

Gabriel lobte die oft mit Humor geführten Debatten zu seinem Ressort und fügte mit Blick auf seinen neuen Job hinzu: "Im zukünftigen Amt darf ich das ja nicht mehr so, hat mir der Steinmeier gesagt. Da muss ich diplomatischer werden."

In seiner Rolle als Wirtschaftsminister warnte Gabriel davor, wegen guter Konjunktur- und Beschäftigungszahlen selbstzufrieden zu werden. Zwar müsse man bei so einer exzellenten Bilanz eigentlich jubilieren, erst recht in einem Wahljahr, sagte er. In ihrem aktuellen Jahreswirtschaftsbericht sagt die Bundesregierung für dieses Jahr einen Jobrekord voraus. Die Zahl der Erwerbstätigen werde sich nochmals um 320.000 auf mehr als 43,8 Millionen Menschen erhöhen, heißt es in dem Bericht. Die deutsche Wirtschaft werde 2017 um 1,4 Prozent zulegen. Allerdings sei klar, dass das nicht zwangsläufig so bleiben werde, sagte Gabriel. "Und wir wissen ganz genau, dass nicht alle Menschen in Deutschland davon profitieren. Gott sei Dank endlich mehr, aber bei weitem nicht alle."