Wolfgang Bosbach hat sich in einem Interview überrascht vom Austritt der langjährigen CDU-Abgeordneten Erika Steinbach aus der Partei gezeigt. "Ich habe sie immer als aufrechte, streitbare Demokratin kennengelernt, die für ihre Überzeugungen gekämpft hat", sagte Bosbach der Rheinischen Post. Der CDU-Abgeordnete verwies darauf, dass Steinbach viel Anerkennung und Respekt in der Fraktion bekommen habe. "Sie hat sich oft durchgesetzt. Das Dokumentationszentrum als Mahnung gegen Flucht und Vertreibung hätte es ohne ihr Engagement nie gegeben."

Steinbach hatte als Grund für ihren Parteiaustritt Unzufriedenheit mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) genannt. Ihrer Entscheidung sei ein längerer Entfremdungsprozess vorangegangen, sagte Steinbach der Welt am Sonntag. Die Politikerin verband ihre Austrittsankündigung mit einem Lob für die AfD, schloss aber aus, der rechtspopulistischen Partei beizutreten. Ihr Bundestagsmandat will Steinbach behalten.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer bedauerte Steinbachs Austritt. "Die konservativen Wurzeln sind unverzichtbar für CDU und CSU. Es wäre besser, wenn Frau Steinbach weiter in der CDU für ihre Positionen kämpfen würde", sagte er der Passauer Neuen Presse. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius, der auch Steinbachs Nachfolger an der Spitze des Vertriebenenverbandes ist, sagte: "Aus der CSU wäre Steinbach nicht ausgetreten, da bin ich mir ganz sicher."

Der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl gab der CDU-Parteiführung unter Merkel eine Mitschuld an Steinbachs Austritt. Deren Aufgabe sei es, "die Vertreter des konservativen Flügels an die CDU zu binden und die eigene Politik so zu ändern, dass jene Leute noch bleiben können", sagte er der Zeitung Die Welt. Die SPD bezeichnete Steinbachs Rückzug hingegen als überfällig. Der Menschenrechtsexperte der SPD-Fraktion, Frank Schwabe, bescheinigte Steinbach eine "zynische Sicht auf geschundene Menschen". Ihr Rückzug sei deshalb "ein Segen".