Frauke Petry hat in Moskau politische Gespräche geführt. Auf Einladung der Bezirksregierung Moskau sei die AfD-Bundesvorsitzende zu Gesprächen in die russische Hauptstadt gereist, teilte ihr Büro in der Bundesgeschäftsstelle mit. Hauptthema war demnach die Kooperation von Politikern der Regionalregierung und des russischen Parlaments mit den deutschen Landtagen. Die russische Seite bezeichnete den Besuch als Teil eines Kooperationsprogramms mit den Bundesländern.

Petry traf laut der Mitteilung den Duma-Präsidenten Wjatscheslaw Wolodin als Vertreter der Partei Einiges Russland, die im Parlament die absolute Mehrheit hat. Weiterhin sprach sie mit Wolodins Stellvertreter Pjotr Tolstoi und anderen ungenannten Duma-Abgeordneten. Das Parlament teilte deren Namen mit: So habe auch der Vorsitzende der nicht an der Regierung beteiligten Liberaldemokratischen Fraktion, Wladimir Schirinowski, teilgenommen – ein durch rechtsradikale Positionen bekannter Populist. Auch der Chef des Parlamentsausschusses für internationale Angelegenheiten, Leonid Slutsky, habe am Tisch gesessen, weiterhin Paul Zavalny, der Vorsitzende des Energieausschusses und Koordinator für die Beziehungen zum deutschen Parlament.

Nach Darstellung der Duma ging es neben der Zusammenarbeit der Parlamente auch um die Kooperation der Jugendorganisationen – aufseiten der AfD die Junge Alternative. Wohl aus diesem Grund war nach Informationen aus der Partei auch Bundesvorstandsmitglied Julian Flak unter Petrys Begleitern, der im Bundesvorstand die Parteijugend vertritt. Ein Sprecher Petrys sagte, die Kontaktaufnahme habe zum Ziel gehabt, "zu schauen, was in Zukunft geht".  

AfD lehnt Sanktionen gegen Russland ab

Mit dem Treffen mit Schirinowski weitete Petry auch ihre Kontakte zu internationalen Politikern des rechtspopulistischen und rechtsextremen Spektrums aus. Sie hat engen Kontakt zur österreichischen FPÖ und demonstrierte erst im Januar auf einem Treffen in Koblenz die Gemeinsamkeiten der AfD mit den Vertretern der europäischen Rechten, darunter der französische Front National und der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders. Diese Parteien eint die Ansicht, das Verhältnis zu Russland zu verbessern. So lehnt beispielsweise die AfD die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen gegen Russland ab.

Ein Sprecher Petrys sagte, Schirinowski habe zu den Abgeordneten gezählt, die die Gastgeber für das Treffen ausgewählt hätten. Petry habe zuvor nur von Wolodin und Tolstoj gewusst. Sie habe nicht einzeln mit dem umstrittenen Schirinowski zusammengesessen. Der 70-Jährige ist Gründer der Liberaldemokratischen Partei und fiel durch revisionistische, antisemitische und islamfeindliche Äußerungen auf. Die russische Regierung ziehe "dem arbeitenden Iwan Geld aus der Tasche, um es dem Banditen Mohammed zu geben, der Iwan dann in Stücke schneidet und sich selbst einen dritten Mercedes kauft", sagte er vor Jahren in Bezug auf die von Russland unterstützte, muslimisch dominierte Bevölkerung im Nordkaukasus. Die EU hatte Schirinowski im Zuge der gegen Russland verhängten Sanktionen mit einem Einreiseverbot belegt.   

Es ging nicht um Geld

Das Parlament teilte mit, Petry sei Leiterin einer Delegation gewesen – wer sie begleitete, blieb offiziell aber ungenannt. AfD-Bundesvize Alexander Gauland war offenkundig nicht dabei. Er sagte über das Treffen, er "höre davon zum ersten Mal". In der Parteispitze hatte es schon früher die Diskussion gegeben, ob Besuche von ausländischen Politikern nicht vorstandsintern abgestimmt werden müssten. Ein Beschluss erging dazu aber nicht. Der Sprecher Petrys sagte, die Parteivorsitzende sei in ihren Entscheidungen, wen sie treffen wolle, frei.

Um Geld sei es nicht gegangen, sagte er weiter. Dass die russische Seite den Wahlkampf der AfD finanziell unterstütze, schließe er aus, auch für die Zukunft. Der rechtsextreme Front National hatte 2014 einen Millionen-Euro-Kredit einer russischen Bank erhalten.

Petry organisiert ihre Pressearbeit zum größten Teil unabhängig vom Bundesvorstand. In der Bundesgeschäftsstelle und in Sachsen, wo sie im Landtag Fraktionschefin ist, hat sie eigene Mitarbeiter.